Ende der 1990er Jahren entwickelte sich das kleine Bastlersystem Linux zu einem ernsthaften Betriebssystem. Es folgte ein wahrer Boom, keine Computerzeitschrift, die nicht das Ende von Windows prophezeite. Viele Distributionen erschienen die, durch Veredlung und Support, das kostenlose Linux zu einem tragfähigen Geschäftsmodel machen wollte.
Mit dabei war Softwareriese Corel, die ihr eigenes an Windows orientierte Linux etablieren wollten, und auch mit Wordperfect gleich ein kostenpflichtiges Office anbieten wollte. Durch Beilage in vielen Zeitschriften wurde dieses spezielle Linux gerade für Einsteiger interessant.
Aus vielen Gründen flachte die Euphorie um ein Desktop Linux Anfang 2000 ab. Corel musste seine Gewinnerwartung für den Geschäftsbereich 2001 von 60 auf 6 Millionen US-Dollar senken. Kurz drauf verkaufte man die ganze Abteilung für 2 Millionen US-Dollar.
Auch wenn die große Linux Welle abebbt hab ich mich an Linux rangewagt, genauer gesagt an Corel Linux, weil es gratis auf einer Heft-CD beilag und in Windows Partitionen installiert werden kann. Update: Mit Ende des New Economy Booms, hat es auch Corel mit Ihrer Linux-Abteilung erwischt. Die Distrubution gibt es nicht mehr.
Die Installation auf meinen PII400 schlug einfach fehl, irgendwas gefiel Linux nicht mit der Plattengröße....Also den 200 MMX rausgekramt. Die Installation dauert ewig (über 1 Stunde) und die Maus funktioniert nur manchmal....
Die Hardwareerkennung schlägt meist bei den Mäusen schon fehl, aber auch der Rest ist keine Glanzleistung: Die Grafikkarte (TNT1) läuft nur als VGA Standard, stellt man die Farbanzahl höher als 256, startet Linux nicht mehr und selbst die Konsole spinnt. Die Terratec Soundkarte wird genauso wenig wie die 1.600 MB Festplatte erkannt. Nur die Netzwerkkarte wird anscheinend eingebunden, eine Verbindung bekomm ich trotzdem nicht.
Corel Linux ist sehr stark an Windows angelehnt. Extrem nervig ist die lange Ladezeit von über 5 Minuten und das bei einer Mindestvoraussetzung von 486 DX 100 und einen eingesetzten System mit 225 MHz und 196 MB Speicher....

Die Ladezeiten vermiesten dann auch den ganzen Test, die Hilfe zum Beispiel löste ein minutenlanges Zugreifen auf die Platte aus, bis ich neustartete... Der mitgelieferte Browser ist von Netscape und hoffnungslos veraltet. Dagegen ist der Editor toll, er erkennt zum Beispiel html Dateien und hebt Befehle in diesen Dateien farblich hervor.

In der Systemsteuerung kann man wenig ins System tatsächlich eingreifen, weil kaum Treiber mitgeliefert werden.

Der Datei Manager ist Klasse und sehr ähnlich zu dem von Windows. Programme werden über eine Art Startmenü gestartet.
Die Corel Linux Version ist zwar schon älter aber zeigt das man viel Zeit und Bastelleidenschaft für Linux braucht, weil etliche Leute es ständig weiterentwickeln und diese Teile erst zusammengesucht werden müssen und dann noch eingebaut werden. Mich hat die Sache persönlich enttäuscht weil mein PC extrem ausgebremst wurde und schon das Setup nicht sehr zuverlässig/stabil war....
Ich werde aber demnächst andere neuere Distributionen von anderen Herstellern ausprobieren.
Test von 2002.