Grafikkarten

Grafikkarten sind besondere emotionale Steckkarten. Sie verwaltet nicht nur den Bildspeicher, sondern ermöglicht häufig das Spielen. Zudem wurden in der Vergangenheit nicht selten gewaltige Geldsummen für die Karten bezahlt, nur damit die heute wertfrei sind und technisch schon lange überholt. Was ich für Geld gespart und dann ausgegeben habe, nur für meine Geforce  3,...

Grundsätzlich gibt es bei unserem Thema 5 Arten von Grafikkarten. ISA und Vesa (siehe Mainboard) sind definitiv für den Computer bis zur 486er Ära. PCI unterliegt in der Leistung den AGP Karten, passt aber in so ziemlich jeden PC, einige haben halt kein AGP, und eignen sich auch meistens als Zweitkarte für einen zusätzlichen Monitor.

Die letzte Art ist die Onboard Karte. Hier gibt es zwei generelle Gruppen, die meistens älteren sind auf dem Mainboard verlötete Grafikkarten, häufig ATI oder Matrox Karten, berühmt wurde auch im Aldi Rechner die TNT 2 M64. Die andere Gruppe ist die Chipsatzgrafik, hier ist die Grafikfunktionalität bereits im Chipsatz des Mainboards enthalten. Besonders bei Intel ist das häufig der Fall. Vorteil der Chipsatzgrafik ist meist der geringere Stromverbrauch. So braucht ein Intel 810 Chipsatz etwas unter 10 Watt weniger als eine Geforce 2 MX - allerdings deutlich zu Lasten der Spieleleistung. Für Server oder reine Surfrechner allerdings ideal.

Anschlüsse

Neben völlig veralteten EGA oder Hercules Monitor Anschlüssen findet man primär zwei Anschlüsse

Der Analoge VGA Ausgang. Schon einfachste ISA Karten Mitte der Achtziger boten diesen Anschluss, er ermöglicht das Anschließen eines fast beliebigen Monitors. Das digitale Signal wird allerdings zum Monitor in ein analoges Signal gewandelt. Bei Digitalbildschirmen ist dies nicht die bevorzugte Wahl.

Der digitale DVI Ausgang. Man kann ihn auch per Adapter zu einen VGA Ausgang machen. Für Flachbildschirme ist er allerdings die erste Wahl, man hat keinerlei Probleme mit Bildgeometrie und Einrichtung. Allerdings ist dieser Anschluss erst ab der vierten Geforce Generation vereinzelt aufgetreten. Es gibt auch Adapter auf HDMI.

Ferner gibt es häufig TV Ausgangsschnittstelle, meist als Chinch oder S-VHS Format, diese erlauben es den PC mit dem Fernseher zu verbinden. Allerdings lohnt dies meist nur für Filme, Desktopumgebungen sind meist schwer zu lesen, da das Signal meist keine gute Qualität hat. Moderne Flachbildschirmfernseher bieten meist einen besseren Weg per VGA Eingang.

Grafikkarte für den Retro Spielerechner

Die richtige Grafikkarte bei einem Klassiker richtet sich stark nach dem Einsatzzweck. Will man möglichst viele, oder bestimmte Betriebssysteme laufen lassen, muss man die Treiberlage checken. Wobei man sagen kann das bei den meisten PCI Karten immer ein Win 9x/NT 4.0 Treiber vorhanden ist, und meist  ein Win 3x, Karten mit NT 3.5x Treiber muss man dagegen auswählen. Gute Kandidaten sind: ATI Mach 64 (Bzw. alles was mit dem Treiber läuft: alle Rage Modelle), Riva 128, Matrox Karten und etliche S3 Karten, wobei hier die Treibersuche aufwendiger ist.

ATI Rage3D Nvidia Riva 128

Will man darüber hinaus spielen, so ist vor allem bei kleinen Systemen (jedoch mindestens ein hochgetakteter 486er, besser ein Pentium 1) eine Voodoo Graphics Karte vom Vorteil. Diese Karte ist eine Add-On Karte. Sie läuft also zusätzlich zur Grafikkarte, übernimmt jedoch die 3D Darstellung. Weitere Add-On Karten sind die Voodoo² und die PowerVR 1/2.

Hier eine kleine Übersicht von 3D Karten bis etwa 1999/2000:

Name Beschreibung MB Jahr Treiber
Voodoo Die erste echt erfolgreiche 3D Karte 4 1996 hier
PowerVR 1/2 Eine weitere Add-On Karte. Schlechte Bildqualität. 4 1996  
Voodoo Rush Eine Voodoo mit 2D Teil 4 1997 hier
Riva 128 (ZX) Die erste brauchbare Karte von Nvidia. Leider relativ schlechte Bildqualität. 4 1997 hier
Voodoo² Höher getaktet als Voodoo 1. Zwei Karten kombinierbar 8-12 1998 hier
Riva TNT Die erste Karte, die Echtfarbrendering erlaubte. 16 1998 61.76
Riva TNT 2 Höher getaktet als die TNT. 32 1999 61.76
Voodoo Banshee Eine Voodoo² mit 2D Teil 16 1999 hier
Voodoo 3 Überarbeiteter Chip von 3dfx, immer noch ohne Echtfarbrendering, wird sehr heiß. 32 1999 hier
Geforce Erste Karte mit T&L Engine, hoher Stromverbrauch! Wahlweise mit SDRAM oder DDR Ram bestückt. 32 2000 61.76
Geforce 2 GTS/Pro Sehr Leistungsfähige DirectX 7.0 Karte. Treiberentwicklung seit einiger Zeit stillgelegt. 32 2000 61.76
Voodoo 4/5 Nicht so schnell wie Geforce 2, aber dafür höhere Bildqualität, Voodoo 5 besitzt 2 Grafikchips (Kult!). Leider keine aktuellen Treiber mehr. 32-64 2000 hier
Geforce 2/4 MX Sparvarianten der Geforce 2 GTS. Meist mit schlechter Speicheranbindung. Leistung etwa der einer Geforce 1, aber geringerer Strombedarf. Aktuelle Treiber vorhanden. 32-64 2001
2002
hier
Geforce 3+, ATI Radeon Ab dieser Klasse erhält man mindestens DirectX 8 Grafik, je nach System bekommt man Spieletauglichkeit, aber auch immer höheren Stromverbrauch, den ältere Mainboards nicht immer decken können.

Hier ein kleiner Benchmark Versuch, gemessen wurde in Frames die Sekunde (fps), das System war ein Pentium III 450 MHz, 256 MB RAM, BX Chipsatz und Windows 98 SE. Gemessen wurde mit Quake II. Alle Voodoo Karten wurden mit 3dfx OpenGL betrieben, der Rest mit normalen OpenGL. Ausnahme bilden die 1024er Auflösungen der Voodoo 5 5500, hier musste auch normales OpenGL verwendet werden:

  640x480 800x600 1024x768 Screenshots
Software 42 30 19 quake13.jpg
Voodoo Rush 26 15 - quake05.jpg
Voodoo 29 - - quake00.jpg
ATI Rage Turbo 34 22 13  
PowerVR Pcx2 35 25 16  
Rendention V2200 35 18 -  
Riva 128 PCI 63 44 - quake03.jpg
Matrox G200 64 43 26 quake04.jpg
Voodoo² 75* 67 - quake08.jpg
Voodoo² SLI 75* 75* 72 quake07.jpg
S3 Savage4 79,7 55 33  
Riva TNT PCI 93 66 43 quake06.jpg
Riva TNT AGP 101 69 45 quake02.jpg
Matrox G400 169 125 80  
Riva TNT 2 179 126 89 quake01.jpg
Geforce 2 GTS 254 260 252 quake11.jpg
Geforce 2 GTS
4 FSAA + 2x AS
207 143 89 quake12.jpg
Voodoo 3 256 196 125  
Voodoo 5 316 294 (172) quake09.jpg
Voodoo 5
4x FSAA
153 99 (62) quake10.jpg

* = Begrenzt durch V-Synch

Voodoo 1 Riva TNT PCI Riva TNT AGP Voodoo 5 5500
 
Geforce 2 MX Geforce 3 TNT 2 M64 Onboard  

Hier noch ein weiterer Benchmark. Diesmal mit Karten um 1993 und einen DOS und ein Windows 3.1 Benchmark.

Name Chip Speicher Dr. Hardware 10.0 Sysinfo
MB/sec 32 Bit Grafik
Win CheckIt
Video Benchmark
ATI Mach 64 GX 320888GX00 2 22,1 109
Elsa Victory Erazor 4 Riva 128 4 87,5  
ATI Mach 64 VT4 264VT4 2 19,5 -
ATI VGA Wonder XL 28800-5 0,5 3,6 -
Daytona 64V Rev B S3 Trio 64V+ 2 54,8 -
Daytona 64V Rev C S3 Trio 64V+ 2 55,1 12
ATI Mach 64 VT 264VT 2 14,7 -
Matrox Millenium 4 MAG-2064W-R2 4 82,9 91
Tseng Labs ET4000/W32P 2 53 55
SIS 6326 6326 AGP 4 23 7
Elsa Erazor II Riva TNT 16 85,2 -

Einbau

Der Einbau ist wie bei jeder anderen Steckkarte, Slot suchen, Karte herein drücken, fertig. Manche Karten benötigen einen Anschluss an das Netzteil, dieser darf nicht vergessen werden.

Weitere Probleme können mit der Stromversorgung auftreten, wenn die Karte über den AGP Port viel Strom aufnehmen möchte. So hat damals die Geforce 1 viele Mainboards überfordert und auch eine Gefoce 3 im BX Mainboard habe ich nicht stabil zum Laufen bekommen. Zur Geforce 1 ist die Alternative eine Geforce 2 MX, weniger Stromverbrauch, etwa gleiche Leistung.

Ein weiteres leidiges Thema ist die Versorgungsspannung von Grafikkarten. Brauchten früher AGP Karten 3,3 Volt, waren es später 1,5 Volt. Der AGP Port wurde so konstruiert das diese Karten nicht in Slots passen, die das nicht unterstützen. Dies wurde durch Codierungskerben an den Karten, und Stegen im Slot erreicht. Leider ist dieses System nur zu 85 % sicher. Es gibt einige Karten die auch in die falschen Boards passen. Dies betrifft vor allem Karten mit TNT 2 und von 3dfx. Generell sollte man keine sehr alten Mainboards und neue Karten (und andersherum) mischen. Zumindest bei AGP, PCI ist über die Jahre von so etwas verschont worden, als Ersatz habe ich auch schon in ein Athlon 64 Board (2008) eine Riva 128 von (1997) gesteckt.

Die Addon Karten von 3dfx erfordern eine Zusätzliche Verkabelung. Dazu muss das Loopkabel (sieht aus wie ein kurzes VGA Kabel) von der eigentlich 2D Grafikkarte in die Voodoo gesteckt werden. In den zweiten Anschluss der Voodoo wird dann der Monitor gesteckt. Fehlt das Loop Kabel kann man auch nach Spielstart das Monitorkabel von der 2D Karte abziehen und auf den Monitorport der Voodoo stecken.

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