Kurzinfos

Klasse Betriebssystem 16-Bit
CPU x86
Datenträger 5,25 Zoll Disketten & 3,5 Zoll Disketten
Preis
Windows /286
Windows /386

204 €
326 €
Markteinführung USA Win 2.03 November 1987
Markteinführung USA Win 2.1 27. Mai 1988
Markteinführung USA Win 2.11 13. März 1989
Ende Support 31.12.2001

Zahlen Trivia

127
Zahl der Drucker die Windows 2.1 unterstützt.

Windows 2

Windows 2 Werbung Windows erschien 1987 in einer neuen Version. Nach Microsofts Meinung war diese Version quasi identisch [1] mit der Vorgängerversion. Was war geschehen, wie kam es zu dieser Aussage? Windows bekam eine neue Oberfläche den Presentation Manager, welcher auch in ähnlicher Form bei MS-OS/2 zu finden war. Dieser bot eine Oberfläche mit überlappenden Fenstern, was Apple dazu verleitete eine grundsätzliche Klage über die Eigenheiten grafischer Benutzeroberflächen anzustrengen. Wie auf der Windows 1 Seite schon beschrieben endete der Prozessmarathon Anfang der 1990er-Jahre mit einer Niederlage von Apple.

Der Streit um die Oberfläche war aber nicht unbedingt wegen Windows angestrengt, ein weiteres Microsoft Betriebssystem sollte der neue Industriestandard in Zusammenarbeit mit IBM und der selben Oberfläche werden: OS/2. OS/2 galt als die Zukunft der Software und hatte einen deutlich höhere Priorität bei Microsoft, angeblich waren nur wenige Entwickler an Windows 2 beteiligt.

Letztendlich kam es aber anders. OS/2 hatte verschiedenste Probleme und Windows mauserte sich, insbesondere weil man nun neben Excel 2.0 auch Word 1.0 vom Start weg mächtige Officeprogramme direkt für Windows anbieten konnte. Auch andere Hersteller boten im Laufe der Zeit immer mehr Programme an: AMI eine Textverarbeitung, SuperBase eine Datenbank oder CorelDraw ein Zeichenprogramm.

Im Juni 1987 verkündete Bill Gates den Verkauf von 250.000 Exemplare von Windows, 1989 war die Zwei-Millionen-Grenze gefallen, wobei jeden Monat 50.000 Pakete verkauft wurden [2].

Im Jahr 1988 wurde Windows 2 umbenannt. Grund war ein neuer Intel Prozessor, der 80386, er bot neue Möglichkeiten im Bereich Speicher und Multitasking und er bekam in der Zusammenarbeit mit Compaq eine neue erweiterte Version.

Diese neue Version bekam den Namen Windows /386, das normale Windows wurde Windows /286, obwohl es keinen 80286-Prozessor voraussetzte. Böse Zungen [4] sahen darin eine deutliche Empfehlung von Microsoft einen leistungsfähigeren PC als einen XT einzusetzen.

Zu beachten ist das es insgesamt drei Revisionen von Windows 2 gab: 2.03, 2.1 und 2.11. Diese wurden aber nicht besonders hervorgehoben. 1987, im Zusammenhang mit dem ersten mittelklassewagenteuren 386-Computer von Compaq, wurden anscheinend die ersten Kunden sogar mit einer frühen Compaq Vorabversion von Windows /386 versorgt - diese trug die Version 2.01.


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Galerie GUI

Grafische Oberfläche

Die grafische Oberfläche unterscheidet sich stark im Handling gegenüber der ersten Windows Generation. Waren dort die Fenster nur streng nebeneinander auszurichten, so orientierte man sich an realen Schreibtischen: Das Chaos darf regieren, die Fenster können sich nun beliebig überlappen.

Als Basis dient zunächst der Desktop, er ist die unterste Ebene. Auf ihn werden wie bisher alle minimierten Programme als Sinnbild abgelegt. Über diesen Bereich können alle Fenster frei positioniert werden, überlappen sich zwei Fenster, so ist dieses komplett im Vordergrund, welches aktiv im Fokus zur Bedienung steht.

Jedes Fenster besitzt eine Titelleiste mit dem Namen des Programms und ggf. weiteren Informationen wie Dateinamen. Ein doppelter Klick mit der linken Maustaste maximiert das Programm auf die volle Bildschirmfläche, bzw. stellt die ursprüngliche Fenstergröße aus diesen Zustand wieder her. Im maximierten Zustand sind andere laufende Programme nicht mehr sichtbar, können aber durch die Programm Umschaltung ALT+TAB in den Vordergrund geholt werden, so können auch mehrere Programme übereinander die gesamte Bildfläche in Anspruch nehmen.

Auf der rechten Seite der Titelleiste befinden sich mehrere Schaltflächen mit Pfeilsymbole. Das Symbol mit dem Pfeil nach unten steht für die Minimierung einer Anwendung. Diese wird dann aus dem Stapel der Fenster entfernt und als kleines Sinnbild auf dem Desktop abgelegt. Alle Fenster können diese Sinnbilder überdecken. Ein Klick auf das Sinnbild oder per Programmumschalter bringt die Anwendung an alter Position, in den Vordergrund.

Als weitere Möglichkeit ein Programm zu maximieren ist die Schaltfläche mit dem Pfeil nach oben. Dieses Symbol ändert sich bei maximierten Programmen in einen Doppelpfeil, welcher das Fenster wieder in seine ursprüngliche Größe wiederherstellt.

Am linken Rand der Titelleiste findet man das Systemmenü, welches bei einfachem Klick alle Optionen zur Fensteranordnung bietet. Ein Doppelklick auf diese Schaltfläche beendet ein Programm.

Die Fenster sind mit einem deutlicheren Rahmen umgeben, diese erlaubt es durch Ziehen mit der Maus die Größe zu verändern. An den Rändern jeweils die Höhe oder die Breite, in den Ecken ist es möglich beide Dimensionen zu manipulieren.

Zuletzt kann man mit einem gehaltenen Klick auf die Titelleiste das gesamte Fenster frei verschieben.

Die Art des Umgangs mit den Fenstern, sowie etliche Tastenkürzel - wie ALT+F4 für schließen - wurden für Jahrzehnte Windows-Standard, lediglich eine zusätzliche Schaltfläche für das Schließen wurde eingeführt. Auch unter Windows 7 oder Windows 8 Desktop lassen sich Programme mit einen Doppelklick auf die linke Ecke schließen, obwohl keine explizite Schaltfläche mehr vorhanden ist.

Als zentrale Programm- und Dateiverwaltung dient weiterhin das aus Windows 1 bekannte MS-DOS-Fenster. Es stellt weiterhin eine Laufwerksbasierende Dateiverwaltung da, bietet einige Laufwerksoptionen und bietet weiterhin keine symbolhafte Programmverwaltung. Wird die letzte Instanz vom MS-DOS-Fenster geschlossen, wird auch Windows beendet, der Benutzer erreicht wieder den DOS-Prompt.

Galerie Zubehör

Zubehör

Der Lieferumfang hat sich zu Windows 1 nicht wesentlich verändert. Einige Programme wurden leicht aktualisiert. So kann zwar der Texteditor weiterhin nur mit Dateien bis 16 KB umgehen, im Infodialog zeigt das Programm immerhin jetzt an, wie weit man von dieser Grenze entfernt ist.

Die Systemsteuerung ist weiterhin ein eigenständiges Programm und erlaubt einige nicht grundlegende Hardwareeinstellungen (Grafikkarten-, Computer-, Tastatur- und Mauswechsel erfordern immer noch eine Neuinstallation). Neu hinzugekommen sind allerdings Steuerungen für Warntöne und Druckertimeouts.

Leuchtturmprogramm Write kann jetzt auch mit Schriftarten im FON-Format umgehen. Das Malprogramm Paint hat ein neues Dateiformat bekommen, malt aber weiterhin nur einfarbig. Um Bilder von Windows 1 weiterzunuten liegt das einzige neue Programm bei, es konvertiert die Bilder in das neue Format.

Weiterhin sind der Kalender, Taschenrechner, Kartei-Datenbank, Druckerhilfsprogramm, Zwischenablage, Uhr, Terminalprogramm, PIF-Editor und das Spiel Reversi im Lieferumfang.

Galerie Installation & Start

Installation & Start

Die Installation erfolgt wie gehabt von Diskette. Nur die erste Version Windows 2.03 lässt sich noch auf einen Satz Zieldisketten installieren. Ab Windows 2.1 wird eine Festplatte Pflicht. Wie gehabt läuft die eigentliche Installation komplett über DOS im Textmodus ab. Nach der Wahl des Installationspfades wird nur die Art des Computers abgefragt. Maus, Grafikkarte und Spracheinstellungen versucht Windows selbst zu ermitteln, bietet aber eine Korrektur an.

Während des Einrichtungsvorgangs wird eine mögliche Speichererweiterung erfragt, auch ein Drucker kann eingerichtet werden. Im Anschluss kann Windows die DOS-Startdateien für den Anwender modifizieren, um die korrekten Einstellungen für Pfadangaben und evtl. Speichererweiterungstreiber zu übernehmen.

Windows 2.03, bzw. Windows /286, wird über den DOS Prompt mit dem Befehl win gestartet. Windows /386 bietet zwei Befehle: win86 startet Windows /386 im 8086-kompatiblen Modus wie Windows /286. Der Befehl win386 startet den Erweiterten Modus, welcher nur auf Computern mit 80386 oder neueren Prozessoren funktioniert.

Systemanforderungen /286

  • 512 KByte Arbeitsspeicher
  • DOS 3.0 oder höher
  • 5 ¼-Zoll Version: Ein 1,2 MB Diskettenlaufwerk und eine Festplatte
  • 3 ½-Zoll Version: Ein 3 ½-Zoll Laufwerk und eine Festplatte
  • Grafikkarte (IBM CGA, IBM VGA, IBM EGA, Hercules- oder Olivetti-Grafikkarte oder dazu kompatible

Anmerkung: Die Microsoft Mouse kann eingesetzt werden

Systemanforderungen /386

  • 2 MByte Arbeitsspeicher
  • DOS 3.1 oder höher
  • Ein 1,2 MB-Diskettenlaufwerk (5 ¼'') oder ein 3 ½ ''-Diskettenlaufwerk
  • Ein Festplattenlaufwerk mit 2 MB freier Speicherkapazität
  • Grafikkarte (IBM VGA, IBM EGA, Compaq Grafikkarte oder dazu kompatible

Anmerkung: Die Microsoft Mouse kann eingesetzt werden

Technische Eigenschaften

Windows 2 ist eine grafische Benutzeroberfläche, welche DOS benötigt. Windows wickelt über das DOS System vor allem die Dateiverwaltung ab. Über ein Treibermodell wird der Zugriff auf weitere Hardware standardisiert.

Windows 2.03 und Windows /286 arbeiten trotz des Namens im Realmodus eines Intel 8086/88 Prozessors, es können mehrere Windows Programme im kooperativen Modus betrieben werden, bzw. mehrere DOS-Programme gestartet werden, wobei nur ein aktives Fenster Rechenzeit erhält.

Darüber hinaus bietet Windows 2 einen höheren Standard für Speichererweiterungskarten (LIM EMS 4.0). Auch kann ab Version 2.1 per Himem.sys Treiber 64 KB Speicher im oberen Bereich - über der 640 KB-Grenze - benutzt werden, so dass konventioneller Speicher freigemacht werden kann [4].

Windows /386 nutzt die Fähigkeiten des Intel 80386. Dieser kann zum einen auf deutlich mehr Arbeitsspeicher, auch jenseits des ersten Megabyte, zugreifbar machen. Allerdings benötigt er ein DOS 3.1-3.3. Zudem kann Windows /386 den Virtual-8086-Mode des Intel 8086 nutzen. Dabei bekommt jede DOS-Anwendung einen simulierten 8086 Prozessor mit eigenen Speicherbereich bis 640 KB. Die Programme können dadurch in der Regel störungsfrei nebeneinander laufen, die Anzahl ist dabei nur vom Systemarbeitsspeicher begrenzt.

Die DOS-Programme konnten unterschiedlich konfiguriert werden, es gibt die Wahl zwischen den Ausführungsoptionen Vordergrund, Hintergrund und Exklusiv. Bei Vordergrundverwendung erhält die Anwendung nur Rechenzeit, wenn diese im aktiven Fenster oder im Vollbild läuft. Bei der Einstellung Hintergrund läuft sie immer. Im exklusiven Modus wird Multitasking weitestgehend deaktiviert, da selbst andere Windowsprogramme keine Rechenzeit mehr erhalten.

Zu beachten ist, dass die Windows /286 Treiber für mehr Erweiterungshardware mitbringt als die /386 Ausgabe.

Änderungen gegenüber der Vorversion

Gegenüber Windows 1.04 bietet Windows 2.03 diese neuen Features:

  • Neue überlappende Fenster
  • "SMARTDrive", Laufwerkscache Programm hinzugefügt
  • "LIM Version 4.0", erweiterter Speicher unterstützt
  • FON Format für Bildschirmschriften
  • Überarbeitetes Paint Format
  • Konvertierprogramme für Bildschirmschriften und Bilder von 1.x zu 2.x
  • "About" Dialog jetzt im Datei Menü
  • Drucker Timeouts jetzt in der Systemsteuerung
  • Mauszeigergeschwindigkeit jetzt in der Systemsteuerung
  • Warntöne jetzt in der Systemsteuerung
  • Notepad meldet jetzt verbleibenden freien Speicher
  • "3812 Pageprinter" nicht weiter unterstützt

Galerie Windows 2.1

Windows 2.1

Windows 2.1 ist weitestgehend identisch mit Windows 2.03. Zeitgleich wurde aber die Umbenennung in Windows /286 bzw. die neue Windows /386. Zudem wurde mit dem Himem.sys Treiber versucht konventionellen Speicher freizumachen, wobei nicht jedes DOS-Programm zu dieser Maßnahme kompatibel war.

Die Änderungen gegenüber Windows 2.03 sind:

  • Neue "Himem.sys" erlaubt Nutzung der ersten 64 KB des erweiterten Speichers, so dass etwa 50 KB zusätzlicher konventioneller Speicher zur Verfügung steht.
  • Unterstützung weiterer 65 Drucker, damit insgesamt 127
  • Unterstützung weiterer Computer
  • Unterstützung weiterer Grafikgeräte

Galerie Windows 2.11

Windows 2.11

Auch diese Version wurde als Windows /286 und Windows /386 vermarktet. Es wurden einige Fehler im Setup behoben und einige Treiberaktualisierungen durchgeführt. Konkrete Änderungen sind:

  • Änderungen beim XMS und EMS Speicherzugriff
  • Setup wird nicht mehr beendet wenn nicht kompatible Treiber angegeben werden
  • Fehler im Setup behoben, so dass es bei MS DOS 3.3 und 512 KB Speicher funktioniert
  • Aktualisierte "Comm.drv" um Probleme mit 9600 bps Geräten zu beheben
  • Aktualisierte Druckertreiber
  • Druckgeschwindigkeit erhöht
  • Windows /386 unterstützt hochauflösende Bildschirme
  • 8514/a Treiber für Windows /386
  • /E Schalter für EMS Einstellungen hinzugefügt

Galerie Lieferumfang

Packung & Lieferumfang

Die Windows Software wurde wieder als Pakete im Laden vertrieben. Diese enthielten neben Handbuch und Kurzanleitung zwei Diskettensätze für 5 ¼ und 3 ½ Zoll Laufwerke. Die 5 ¼ Zoll Disketten besaßen eine hohe Datendichte also eine Kapazität von 1,2 MB. Wer ein älteres Laufwerk besaß, konnte sich 5 ¼ Zoll Disketten im 360 KB Format bestellen.

Zumindest in den USA gab es teilweise kostenlose, bzw. nach einem Stichtag für 25 $, Updates um ein älteres Windows 2 auf eine neue Revision zu aktualisieren [4].

Das OEM Geschäft wurde immer wichtiger, so entstand auch Windows /386 mit Compaq, der Hersteller des ersten Intel 80386 Computers. Diese Kunden konnten Windows auch für 25 DM hinzubestellen, kauften aber auch einen Computer bei dem die Preise ab 16.000 DM losgingen [3].


Windows 2.03

Windows /286

Windows /386

Videos

Windows /286 Packungs Review

Meine Vorstellung der Windows /286 Packung und deren Inhalt.
Windows 2 Werbespot

Sehr verrücktes Windows 386 Promotion Video.

Quellen

[1] Mr. Microsoft - Die Bill-Gates-Story; James Wallace/Jim Erickson; Seite 339; Ullstein 1994
[2] Die Microsoft Story; Daniel Ichbiah; Seite 260; Campus 1993
[3] c’t Magazin 2/88; Martin Ernst; Noch schneller; Seite 30/31
[4] PC Magazine 27. September 1988; John Dickinson; Hands on Windows /286, /386...

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