Windows für Workgroups 3.1

Windows für Workgroups 3.1x (WfW 3.1x)

Windows 3.1 gab es auch als Netzwerkvariante. Diese erlaubt es in einem Peer-to-Peer Netzwerk Ressourcen zu teilen, man konnte Dateien bereitstellen oder auf andere Computer zugreifen und auch die Freigabe des Druckers war möglich. Sogar das interne Versenden von Mails und Chatnachrichten wurde geboten. Allerdings gab es kein echtes Client-Server Konzept mit einer zentralen Benutzerverwaltung, dies bot erst später der NT 3.1 Advanced Server. Trotzdem war WfW - so die populäre Abkürzung, teilweise auch WfWG - gerade in kleinen und mittleren Betrieben einige Jahre sehr beliebt.

Windows für Workgroups 3.1

Windows für Workgroups unterscheidet sich in folgenden Punkten vom normalen Windows 3.1:

  • Peer-to-Peer Netzwerkunterstützung (Theoretisch unbegrenzte Anzahl an Knoten je Workgroup)
  • elektronische Mail für Arbeitsgruppe, maximal 500 Benutzer
  • Terminplaner
  • Erweiterter Dateimanager für Netzwerkfreigaben
  • Erweiterter Druckmanager für Druckerfreigaben
  • Netzwerkfunktionen der Systemsteuerung
  • Erweitertes Zwischenablagenprogramm mit Netzwerkunterstützung
  • Programme: Chat, Netwatcher und Winmeter
  • Netware und LAN Manager Verbindungsmöglichkeit
  • Netzwerkspiel Hearts

Windows 3.1 für Workgroups war das erste Windows das ohne Fremdsoftware im Netzwerk benutzt werden konnte, als einziges Protokoll (ohne Fremdsoftware) stand das NetBEUI zur Verfügung.

Lesen sie hier eine Vorschau des neuen Windows kurz vor der Fertigstellung aus der c't 10/92, im Downloadbereich finden sie den kompletten Artikel noch mal als JPG.

Windows für Workgroups 3.1
Der Startbildschirm von WfW 3.1

Im Setup konnte man auch gleich um das Netzwerk zu nutzen eine Netzwerkkarte auswählen und konfigurieren.

Windows für Workgroups 3.1
Das Setup von WfW 3.1

Die Oberfläche unterscheidet sich von der eines einfachen Windows 3.1 nur durch Netzwerkerweiterungen in der Systemsteuerung und im Programm-Manager.

Windows für Workgroups 3.1
Der Desktop und der Programm Manager von Windows 3.1 für Workgroups
Windows für Workgroups 3.1
Die Netzwerkeinstellungen finden sich in der Systemsteuerung

Der Dateimanager wurde durch eine praktische Symbolleiste erweitert, über die man auch Zugriff über Netzwerklaufwerke und -freigaben hat.

Windows für Workgroups 3.1
Der Dateimanager, kennt jetzt eine Symbolleiste und Netzwerklaufwerke

Es gibt neben den normalen Windowsprogrammen auch einige spezielle Programmen fürs Netzwerk: Zum einen Konfigurationsprogramme, zum anderen ein Mail Programm, ein Nachrichtenprogramm und einen Terminplaner, der in Arbeitsgruppen gemeinschaftlich genutzt werden kann. Dieser Terminplaner "Schedule+" macht aber auch an einen Einzelarbeitsplatz einiges her!

Windows für Workgroups 3.1
Schedule+ - Ein umfangreicher Kalender und Terminplaner, nicht nur fürs Netzwerk!

Damit es nicht im Netzwerk langweilig wird, ist das Netzwerkkartenspiel "Hearts" mit von der Partie.

Windows für Workgroups 3.1
Das Netzwerkspiel Hearts

Neben Schedule+ gibt es auch noch zwei Programme die eine Kommunikation in der Arbeitsgruppe direkt unterstützten.

Das erste nennt sich Telefon, was aber ein irreführender Name ist. Mit diesem Programm kann man einen Chat zwischen zwei Computern aufbauen. Im Gegensatz zum üblichen Internetchat werden allerdings alle Zeichen direkt während der Eingabe übertragen, außerdem ist das Fenster zweigeteilt, unten die eigene Eingabe, oben die des anderen Rechners.

Windows für Workgroups 3.1
Ein Chatprogramm in Windows für Workgroups: "Telefon"

Das zweite Programm ist deutlich komplexer und unterstreicht auch den Anspruch von Windows für Workgroups ein professionelles Betriebssystem zu sein. Nicht unberechtigt, da die zugehörige Hardware recht teuer war: Netzwerkkarten kosteten im Schnitt 75-150 €.

Das Programm heißt bezeichnender Weise "Mail". Es bietet für eine Arbeitsgruppe ein komplettes Mail-Programm, inklusive Anhänge. Das Programm erfordert einen "Mail-Server", im Grunde ist es nur ein freigegebenes Verzeichnis, bei größeren Arbeitsgruppen sollte dies sogar ein eigener PC sein. Das Handbuch empfiehlt dazu sogar einen 486er Prozessor.

Windows für Workgroups 3.1
Mail, ein vollständiges Mailprogramm für eine Arbeitsgruppe

Im Gegensatz zum später erschienenen und verbreiterten Windows für Workgroups 3.11 beherrscht die Version 3.1 noch den Standardmodus, welcher den Betrieb auf 286 Prozessoren erlaubt. Allerdings mit der Einschränkung, dass das gemeinsame Nutzen von Dateien und Druckern nicht funktioniert.

Windows für Workgroups 3.1 Windows für Workgroups 3.1
Windows für Workgroups 3.1 im Standard Modus

Windows 3.11 für Workgroups

Windows für Workgroup 3.11 ist eine aktualisierte Version von Windows für Workgroups, neben einen verbesserten Setup, mit besserer Netzwerkkartenerkennung, ist vor allem eine Verbesserung der Netzwerkleistung durch 32-Bit Netzwerksoftware. Aus diesen Grund ist das Minimum ein 386SX/DX Prozessor.

Die Änderungen gegenüber WfW 3.1 waren:

  • NDIS 3.0 Netzwerktreiber
  • NWLink Treiber für IPX Netzwerkprotokoll
  • Admincfg, Programm zur Ferneinstellung der Sicherheits- und Freigabeeinstellungen eines WfW 3.11
  • Remote Access Service (RAS) Client
  • Startmöglichkeit ohne Netzwerkfunktion
  • Erhöhte Performance durch VFAT (32-Bit Dateihandling und VCache Protected Mode Cache für Netzwerk- und Lokaldateien
  • Faxunterstützung
  • Modularisierung bestimmter Systemdateien (COMM.DRV, VCOMM.386, SERIAL.386, LPT.386)
Windows für Workgroups 3.1
Windows 3.11 für Workgroups Startbildschirm

Per Update ist auch das heute als Standard benutzte TCP/IP Protokoll verfügbar. Zusammen mit einer Wählsoftware, wie die vom IE 5.0 16-Bit, ist auch die Einwahl ins Internet kein Problem.

Windows für Workgroups 3.1
Netzwerk-Setup von Windows 3.11 für Workgroups mit TCP/IP Update

Neben den technischen Updates gibt es auch ein weiteres Tool für die Netzwerkkommunikation: WinPopup. Das Programm erlaubt eine Übertragung einer Textnachricht an einen anderen Rechner oder die ganze Workgroup. Es kann zu diesem Zweck auch gleich bei Systemstart geladen werden.

Windows für Workgroups 3.1
WinPop erlaubt einfache Nachrichten im Netzwerk

Per TCP/IP Update ist es wie erwähnt möglich sich auch direkt mit neueren Windows Versionen in einer Netzwerkumgebung zu kommunizieren. So kann man auch die Windows XP Internetfreigabe ohne weitere Tools nutzen oder Dateien in einer Arbeitsgruppe austauschen. Freigaben auf einen Windows für Workgroups 3.11 Computer sind dabei auch für Vista und Windows 7 problemlos zugreifbar, der umgekehrte Weg scheitert an Zugriffsbeschränkungen auf Grund höherer Sicherheitsanforderungen. Auf XP Freigaben ist aber ein Zugriff möglich.

Windows für Workgroups 3.1
Windows 3.11 für Workgroups Netzwerkmonitor, hier Zugriff von einen
Windows 2000 Computer auf Laufwerk E des Win 3.11ers.
Windows für Workgroups 3.1
Windows 3.11 für Workgroups Computer von einen Windows 2000 Rechner aus

Der Lieferumfang von Windows für Workgroups 3.1x

Windows für Workgroups 3.1 wurde in verschiedenen Packungsformen (SKUs - Stock Keeping Unit) verkauft, die teuersten Varianten waren die Starter-Kits, diese enthielten auch die passende Netzwerkhardware. Es gab Pakete ohne diese Hardware mit der normalen Vollversion und die so genannten Add-Ons, welche als ein Update für netzwerklose Windows 3.1 Versionen fungierten. Es soll auch reine Upgrades für Windows 3.0 Rechner gegeben haben. Zudem gab es Pakete für einen und zwei Arbeitsplätze, sowie Mischungen unter diesen Varianten.

Windows für Workgroups 3.1
WfW 3.1 Add-On für 1 PC.
Windows für Workgroups 3.1
WfW 3.1 Add-On Starter Kit für 2 PC.

Windows für Workgroups 3.11 wurde hingegen nur in zwei Varianten verkauft. Vollversion und Add-On.

Windows für Workgroups 3.1
WfW 3.11 Vollversion
Windows für Workgroups 3.1
WfW 3.11 Add-On

Windows für Workgroups 3.1 kam normalerweise als 3,5 Zoll Diskettensatz. Hier die 9 Disketten Add-On Version.

Mein Fazit

Historisch gesehen legt Windows für Workgroups den Grundstein für eine heute allgegenwärtige Vernetzung. Zwar wurde es von vielen PC Ketten auch auf Computer ohne Netzwerkkarte aufgespielt, die Kunden hatten dann immerhin einen tollen Terminplaner, aber in vielen Betrieben wurde hiermit das erste Mal ein Fileserver betrieben und der Drucker geteilt.

Aus heutiger Sicht natürlich ein administrativer Alptraum. Es gab keinerlei Rechtemanagement, und die Technik war selten nach ausfallsicheren Kriterien gewählt. Aber eine einfache BNC Verkabelung mit einer 10 MBit Karte ging schon ins Geld. Das kann man sich heute kaum mehr vorstellen, wo ein Netzwerkchip für den Hersteller Cents kostet und so manche Personenwaage eine Internetanbindung hat.

Systemvorrausetzungen Minimal WfW 3.1 Standard
(Ohne Netzwerkfunktionen)
Minimal WfW 3.1 Erweitert 386 Minimal WfW 3.11 Sinnvoll
Prozessor 286 386 SX 386 SX 386 DX
Arbeitsspeicher 1 MB 3 MB 3 MB 8 MB
Festplatte 4 MB 4 MB 15 MB 20 MB
Laufwerk Diskettenlaufwerk Diskettenlaufwerk Diskettenlaufwerk Diskettenlaufwerk
DOS 3.3 3.3 3.3 6.22