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OS/2-Konkurrent

Ein erster Eindruck von Windows 3.0

Dieter Brors

Auf der CeBIT hüllte sich Microsoft bezüglich Windows 3.0 noch in Schweigen. Von Software-Entwicklern war aber zu erfahren, die Fertigstellung der endgültigen Version stehe unmittelbar bevor und sie hätten ihre Windows-Applikationen bereits an die neue Version angepasst. Ende Mai hat Microsoft das Geheimnis offiziell gelüftet. Einen ersten Blick haben wir auf die Beta-Version geworfen.

Die Benutzeroberfläche ist die augenfälligste Änderung, sie ähnelt jetzt dem Presentation Manager von OS/2. Als Schaltzentrale dient der Program Manager, der die Anwendungen in unterschiedlichen Gruppen verwaltet. Statt des tristen DOS-Fensters stellt Windows sie jetzt als farbige Icons dar, so dass fast schon Macintosh-Feeling aufkommt. Ebenso wie bei OS/2 ist auch ein File Manager integriert, der die Directories als Baumstruktur anzeigt. Von dort aus lassen sich ebenfalls Programme starten und Extensions mit bestimmten Anwendungen zuordnen. Zum Beispiel reicht dann ein einfaches Anklicken der Datei ARTIKEL.TXT aus, um die Textverarbeitung mit der entsprechenden Datei zu laden.

Ebenfalls neu hinzugekommen sind ein Setup-Programm, das eine Änderung der Hardware-Konfiguration ohne erneute Installation des gesamten Systems zulässt sowie ein Makrorecorder, mit dem man Arbeitsabläufe automatisieren kann. Das bisherige Malprogramm hat Microsoft durch das leistungsfähigere Paintbrush ersetzt. Weitere Utilities wie die Textverarbeitung Write, der Terminkalender, der Karteikasten oder der Taschenrechner sind in überarbeiteter Form wieder zu finden.

Hinter der Kulisse

Hinter der wesentlich komfortableren- Benutzeroberfläche verbergen sich drei unterschiedliche Speicherverwaltungsarten, die dem Rechner je nach Prozessor und Ausstattung zur höchstmöglichen Leistung verhelfen. Beim Start stellt Windows fest, welche CPU installiert ist, und schaltet automatisch in den idealen Modus um. Dadurch entfällt beim Systemwechsel der bisher notwendige Umstieg auf die Windows-Version der entsprechenden Rechnerklasse.

Der Real Mode entspricht weitgehend Windows 2.x, so dass sich ältere Anwendungen, die noch nicht an die neue Version angepasst sind, weiterverwenden lassen. Windows erwartet in diesem Modus mindestens 384 KByte freies RAM sowie einen 8088-Prozessor. Vorhandenes Expanded Memory unterstützt der Real Mode bei geladenem EMM-Treiber. Darüber hinaus benutzt er mit Hilfe des XMS-Treibers HIMEM.-SYS Extended Memory, um Programmsegmente dort abzulegen, bevor sie überladen werden. Windows/286 musste sie jedes Mal erneut von der Platte laden, so dass sich die Festplattenzugriffe in der Version 3.0 deutlich verringern.

Der Standard Mode, für den ein 80286er mit mindestens 192 KByte Extended Memory erforderlich ist, durchbricht die 640-KByte-Grenze von DOS. Dabei betrachtet er den unter DOS direkt adressierbaren Speicher und das Extended Memory als zusammenhängenden Block, so dass das gesamte RAM für Windows-Applikationen ohne Umwege zur Verfügung steht. DOS-Anwendungen bleibt dieses Feature allerdings verschlossen, sie müssen sich im DOS-Fenster mit den traditionellen 640 KByte begnügen.

Auf 386ern mit mindestens 1024 KByte Extended Memory zeigt Windows 3.0 sein ganzes Können und erlaubt echtes Multitasking auch bei üblichen DOS-Anwendungen. Damit macht es OS/2 heftig Konkurrenz. Durch die virtuelle Speicherverwaltung lassen sich im Enhanced Mode auch dann Programme ausführen, wenn tatsächlich kein RAM mehr frei ist. Windows lagert dann je nach benötigtem Platz Teile von Programmen und Daten auf die Festplatte aus und lädt sie bei Bedarf wieder ein. Mit Hilfe des mitgelieferten Utilities SWAPFILE.EXE kann man auf der Platte einen unfragmentierten Bereich als permanente Datei anlegen, um das Swappen zu beschleunigen.

Anders als im Real und im Standard Mode erlaubt der Enhanced Mode auch bei DOS-Programmen Multitasking. Diese sind ebenfalls als Fenster innerhalb der Benutzeroberfläche lauffähig, solange sie nicht in einen Grafikmodus umschalten. So kann man zum Beispiel ein Programm mit Turbo C kompilieren, während man eine Zeichnung mit Paintbrush anfertigt oder einen Text mit Word editiert. In der aktuellen OS/2-Version 1.2 lässt sich die DOS-Kompatibilitätsbox dagegen nur ein einziges Mal aufrufen, wobei sie nicht innerhalb des Presentation Managers als Fenster gestartet werden kann und die Anwendungen beim Umschalten in eine andere Task nicht weiterlaufen. Erst die zukünftige Version 2.0 bietet dieselben Möglichkeiten.

Windows 3.0 erlaubt es ebenfalls, beim Start durch Angabe eines Parameters einen bestimmten Modus zu erzwingen. Ältere Applikationen lassen sich zwar weiter verwenden, viele sind jedoch nur im Real Mode lauffähig. Die meisten Hersteller von Windows-Programmen dürften aber in allernächster Zeit Updates für die Version 3.0 anbieten.

Obwohl Windows 3.0 generell auch auf XTs lauffähig ist, empfiehlt Microsoft als Mindestausstattung einen AT-kompatiblen Rechner mit mindestens 384 KByte freiem RAM. Wie von Microsoft, Unterschleißheim, zu erfahren war, wird die deutsche Version 547 DM kosten. Für ein Update von Windows/286 beziehungsweise /386 sind 148 DM zu zahlen.

Neu eingekleidet

Die deutsche Version von Windows 3.0

Matthias Rojahn
Was den Computern der Turnschuhträgergeneration schon seit eh und je recht ist, ist mittlerweile auch den professionellen PC-Anwendern der IBM-Hemisphäre billig: die grafische Benutzeroberfläche. Microsoft unternimmt jetzt mit Windows 3.0 einen weiteren Anlauf in Richtung Anwenderfreundlichkeit.
Der Begriff `grafische Benutzeroberfläche´ ist so falsch wie die Gegenüberstellung Turnschuhe hier und Schlipsträger dort. Es ist die - verunglückte - Eindeutschung des amerikanischen `Grafical User Interface´, gerne mit GUI abgekürzt und in der DOS-Welt nicht selten gleichbedeutend mit einem GAU. Gemeint ist nämlich nicht etwa das Outfit des Benutzers, sondern die Schnittstelle zwischen dem Computer im weitesten Sinne und dem Bediener.

Die kann sehr verschieden gestaltet sein und lässt in der Regel keine Rückschlüsse auf die Rechenleistung des Computers zu, sondern eher Vermutungen über die Geduld und Lernfähigkeit des Menschen vor dem Monitor. So unterscheidet sich ein PC auf der Basis des i486 nach dem Einschalten nicht wesentlich von dem Prompt eines ZX-81: ein schlichter Buchstabe, gefolgt von einer spitzen Klammer, bittet freundlich um weitere Befehle. Das hat seine Wurzeln in den Personalcomputern, die in der Umgebung von Großrechnern liegen. Dort macht sich auch heute kaum jemand Gedanken, wenn der Operator bei der Befehlseingabe und Programmierung seinen Wortschatz auf geheimnisvolle Kunstworte und undurchsichtige Sonderzeichen reduziert.

Anwender, die mit Personalcomputern nichts weiter wollten als Briefe schreiben, Maschinen konstruieren und Daten verwalten, empfanden die sperrige Verständigung mit ihrem Werkzeug seit jeher als Zumutung: wer hält schon gerne seinen Kugelschreiber mit Stäbchen? Und wer absolviert schon freiwillig einen Grundkurs in Hochfrequenztechnik, nur weil er Radio hören will? Tatsächlich mußte, wer mit einem Programm zur Tabellenkalkulation die Verkaufsergebnisse der Filialen auswerten wollte, in vielen Fällen nicht nur die Sprache der Maschinen lernen, sondern auch sehr viel über die Physik seines Helfers: Ich kenne nur wenige leistungsstarke DOS-Programme, die man ohne umfängliche Installationsroutinen zum Laufen bringt.

Einfach drauflos

Nun gibt es PC-Anwender, denen diese Initialisierungsrituale gänzlich fremd sind: das ist die Anwenderschar der Macintoshs. Ihnen ist gemeinsam, daß sie die Handbücher zu ihrer Hard- und Software in den meisten Fällen noch nicht einmal aus der Verpackung entfernen. Es ist schon faszinierend, wie sich auch dem Systemneuling die Möglichkeiten der Hard- und Software ohne umfängliche Anleitungen erschließen.
Grundlage dafür ist die Beute aus früherer Zeit, als in der Xerox-Denkfabrik PARC die Idee geboren wurde, die Hard- und Software der Rechner mit Rücksicht auf den Benutzer freundlicher zu gestalten. Die Eckpfeiler dieses Ansatzes: Maus statt Tastatur, Dialogfelder mit Mehrfachauswahl statt Softwareschalter in Befehlszeilen sowie Sinnbilder für Programme und Dateien.

Vor fünf Jahren versuchte die Software-Schmiede dem spröden DOS etwas Vergleichbares zu verpassen. Das wohlbekannte Betriebssystem organisiert nicht nur die Speicherverwaltung des Rechners, sondern vermittelt auch zwischen dem Benutzer und der Hardware. Die Bezeichnung Schnittstelle (Interface) kennzeichnet diesen Aufgabenbereich sehr treffend. Die vorhandenen Geräte ließen lediglich zeichengestützte Steuerungsmechanismen zu. Die Vorläufer zu den grafischen Benutzerschnittstellen werden darum auch als zeichengestützte Benutzeroberflächen oder im Angelsächsischen treffender als Comand Line Interface (CLI) bezeichnet.

Um nun DOS benutzerfreundlicher zu machen, hat Microsoft dem Hemd DOS die Jacke Windows umgehängt. In der Folgezeit hat diese Betriebssystemerweiterung in der Fachpresse mehr Wirbel verursacht als bei den Computeranwendern. Die täglichen Standardoperationen wie Kopieren und Löschen von Dateien, Formatieren von Disketten und das Verwalten der Festplatte wurden nämlich nur minimal vereinfacht. Dafür liefen beliebte Standardanwendungen nicht oder sehr viel langsamer. Außerdem war die Bereitschaft der Software-Hersteller nicht sehr groß, speziell für diese Benutzeroberfläche Programme zu entwickeln. Und das MSDOS-Fenster wirkte für professionelle Anwender kaum als Publikumsmagnet. Nicht zuletzt schreckte die unübersichtliche Produktgestaltung ab, die für Benutzer unterschiedlicher Prozessoren verschiedene Programmversionen vorsah. Es ist darum wohl eher dem PC-Trägheitsgesetz `The fatest survives´ zuzuschreiben, dass Microsoft kürzlich ein neues Kapitel in der Geschichte der grafischen Benutzeroberflächen aufschlagen konnte, statt sein altes Produkt still zu entsorgen.

Zum Speicherbedarf und zur Speicherverwaltung von Windows will ich an dieser Stelle nur soviel sagen, dass ich es zum Anlass genommen habe, den Arbeitsspeicher meines Rechners auf 8 MByte aufzubohren. Näheres hierzu finden Sie in der letzten c't [1]. Wenn Ihr Rechner über weniger Arbeitsspeicher verfügt, können Sie dennoch Windows 3.0 verwenden. Aber wundern Sie sich dann nicht über Wartezeiten, die beim Auslagern nicht benötigter Dateien auf die Festplatte entstehen.

Nagelprobe

Ansonsten galt mein Augenmerk der Frage, ob sich der Umgang mit DOS durch die Version 3.0 entscheidend verbessert hat. Darum habe ich das mitgelieferte Handbuch kurzentschlossen in die unterste Schublade meines Schreibtisches verbannt. Rechenleistung und Speicher sind mittlerweile so wohlfeil zu haben und so weit verbreitet, dass es kaum noch jemanden überrascht, wenn die unscheinbaren Gehäuse heutiger PCs die Rechenkapazität von Mainframes alter Tage beherbergen. Wer solche Ausrüstung erwirbt, darf von den Software-Herstellern erwarten, dass sie diese Kapazitäten auch dazu benutzen, den Komfort für den Benutzer zu verbessern. Dazu gehört auch, dass die Installationsroutine eines Programms die Hardware-Plattform erkundet und sich im wesentlichen selbst konfiguriert.
Das ist für eine DOS-Anwendung - und Windows ist nun mal ein DOS-Programm - nicht ganz einfach: Zu groß ist die Zahl unterschiedlicher Prozessoren und zu vielfältig sind die vielen Hard- und Software-Lösungen, mit denen die Entwickler gebotene Möglichkeiten genutzt haben, um die mannigfaltigen DOS-Klippen zu umschiffen. Das macht es einer Anwendung wie Windows aber schwer, Ordnung in das Durcheinander zu bringen.

Einer für alle

Auf den ersten Blick scheint es, als hätten die Microsoft-Entwickler ihre Hausaufgaben gemacht: es gibt nur noch eine Version von Windows. Das undurchsichtige Verwirrspiel mit 2.03 und 2.11/286 oder 2.03/386 gehört damit der Geschichte an. Das Installationsprogramm erkannte im Test zuverlässig Hercules-, EGA- und VGA-Karten, ermittelte die Art des Prozessors und die Größe des vorhandenen Speichers. Und was in früheren Versionen mit dem Hilfsprogramm MEMSET vorhanden war, ist bei Windows 3.0 bedeutend weiterentwickelt worden. Das Installationsprogramm ermittelt die günstigste Konfiguration der vorhandenen Speicher. Das funktioniert zuverlässig. Wer bei der Installation stets die vorgeschlagene Einstellung wählt, findet zum Schluss ein im wesentlichen funktionierendes System auf der Platte vor. Vorausgesetzt, er installiert Windows nicht auf einem exotischen Rechner oder auf einem, den Windows für exotisch hält.
Bei entsprechend großem Arbeitsspeicher organisiert das Einrichtungsprogramm sogar einen Cache-Speicher. Es gibt allerdings einen Wermutstropfen: Verdutzt registriert der Anwender nach Abschluss der Installation mit den Voreinstellungen eine riesige versteckte Datei (Hidden File) auf seiner Festplatte - hier hat sich Windows einen unfragmentierten Teil für seine Auslagerungsvorgänge registriert. Wer seine Platte regelmäßig mit Defraktionierungsprogrammen wie PC Tools oder SD der Norton-Utilities pflegt, kann durch diese Macke in der Installation locker 4 bis 7 MByte Festplattenkapazität verlieren.

Der Ärger über diesen Speicherfraß wird allerdings leicht von der Anerkennung aufgehoben, die man Windows für die Bereitschaft zollen muss, nach Zustimmung alle Laufwerke nach ausführbaren Programmen zu durchforsten. Dabei unterscheidet Windows sehr genau zwischen Windows-Anwendungen und `normalen´ DOS-Programmen. Für populäre Programme der DOS-Kommandowelt werden dabei passende PIF-Dateien erstellt. Das sind die Dateien, in denen man bisher für die Programme seiner Wahl alle Angaben eintragen musste, um sie unter Windows starten zu können. Für erkannte Windows-Programme werden bei dieser Gelegenheit kleine Sinnbilder erstellt, auf die ich gleich noch zu sprechen komme.

Ein bisschen weht schon bei der Installation ein sehr mildes, benutzerfreundliches Lüftchen über den Schreibtisch. Unabhängig, ob Sie nun eines der mitgelieferten Schreibtischutensilien (Terminkalender, Taschenrechner, Karteikasten oder Terminalemulation, um die wichtigsten zu nennen) benutzen wollen, Programme starten möchten oder Dateien verwalten müssen, Windows bietet in jeder Situation eine beispielhafte Hilfeoption an.

Turbo-Hilfe

Diese Hilfefunktion ist eine Klasse für sich und hat wenig gemein mit den mageren Texten, die Anwender von DOS-Programmen kennen. Ausgehend von den gewohnt dürren Texten traditioneller DOS-Programme entwickelt sich die Hilfe während der Installation zu einem vielschichtigen Hilfsprogramm.

Ein Beispiel soll das verdeutlichen. Wie erfährt der Windows-Neuling möglichst alles Nötige über dessen Umgang, ohne das Handbuch wieder aus der Schublade zu kramen? Nun, der Anwender muss entweder wissen, dass dem Rechner mit `F1´ grundsätzlich Auskünfte zu entlocken sind, oder er muss in der Lage sein, mit der Maus auf das Wort `Hilfe´ zu klicken. Beide Verfahren sind bei der Installation vorgestellt worden.

Windows bietet ein Menü, das auch den Punkt `Grundlagen´ enthält. Hier findet der Anfänger einen Text, der ihm als erstes verrät, dass er mit `F1´ eine Gebrauchsanleitung für die Hilfefunktion erhalten kann. Aber auch ohne diese Hilfe zur Hilfe ist es nicht schwer zu erraten, dass die hervorgehobenen oder gepunkteten Wörter eine besondere Funktion besitzen. Die Entwickler haben wichtige Stichwörter mit Punkten markiert. Wer den Mauszeiger über den Begriff steuert und die Maustaste drückt, erhält eine kurze, aber ausreichende Erklärung zu diesem Wort. Die Begriffe im Hilfeprogramm finden sich auch im Handbuch mit denselben Erläuterungen wieder. Damit ist es dem Anwender möglich, im Bedarfsfall weitergehende Informationen einzuholen. Die Worterklärung verschwindet sofort wieder, wenn man die Maustaste loslässt.

Ein Klick auf die unterstrichenen Wörter hat andere Folgen. Sie bezeichnen bestimmte Bedienvorgänge, die nach einem Klick auf einer eigenen Seite ausführlich erläutert werden. Dabei bedient Windows sowohl die Maus-Freunde als auch die Tastaturfans. In vielen Fällen schließt der Text mit Hinweisen auf verwandte Themen ab. Sie ahnen wahrscheinlich schon, dass die Erläuterungen zu diesen verwandten Themen in gleicher Weise auf den Schirm gezaubert werden wie die vorhergehenden Informationen. Wer will, kann sich diese Texte auch ausdrucken und sich so ein persönliches Handbuch zusammenstellen.

Natürlich navigieren die Auskünfte den Benutzer nicht durch alle Untiefen von Windows. Aber meiner Meinung nach handelt es sich bei diesem Ansatz um ein wegweisendes Konzept. Seine Tragfähigkeit hat sich bei den neueren Windows-Anwendungen aus dem Hause Microsoft bewährt. So ist zum Beispiel die Hilfefunktion für `Word für Windows´ in gleicher Weise strukturiert und führt auch Anwendern, die mit dem Programm absolut nicht vertraut sind, bis zu diffizilen Operationen wie Indexerstellung oder Dokumentenverwaltung.

Bislang vorsintflutlich

In mancher Hinsicht war Windows bisher keine grafische Oberfläche. Zwar konnte der Anwender laufende Programme verlassen und sie als kleines Icon im unteren Bereich des Bildschirms gleichsam parken. Aber das war´s auch schon. Das MSDOS-Fenster hat die Dateien und Programme genauso unübersichtlich dargestellt wie DIR auf der DOS-Ebene. Beim Kopieren musste man das Zielverzeichnis in derselben Ausführlichkeit eintippen wie der Kollege nebenan, der nicht mit Windows arbeitete. Kurz gesagt: Windows war bisher ein farbenprächtiger und zeitraubender Rosstäuscher. Keine Spur von der Leichtigkeit, mit der Digital Researchs Oberfläche GEM Dateien und Programme darstellt und verwaltet, keine Spur von den vielen Systeminformationen, mit denen Peter Norton, PC Tools oder selbst Public-Domain-Programme den Benutzer bei der Störungssuche beraten.

Schön, man konnte Programme mit einem Doppelklick starten, aber die musste man erst einmal im Verzeichnis finden. Viele Anwender ließen die Maus vielfach nur deswegen durch Windows springen, weil es die einzige Basis war, auf der beliebte und leistungsfähige Anwenderprogramme wie PageMaker, Corel Draw oder Excel laufen.

Gruppenzwang

Dieses Bild hat sich jetzt gewandelt. Windows präsentiert sich als fast perfektes Grafikmäntelchen für DOS. Die Entwickler haben den Umgang mit DOS in zwei Abteilungen gegliedert.
Da ist zunächst der Programmmanager. Hier erscheinen ausschließlich Programme, und zwar als Icons. Diese Icons sind Windows-Programmen mit auf den Weg gegeben und können für DOS-Anwendungen aus einem Fundus ausgewählt werden, den Windows bereithält. Damit die ganze Sache übersichtlich bleibt, lassen sich bestimmte Programme zu Gruppen zusammenfassen, die dann immer zusammen in einem Fenster erscheinen. Windows schlägt zum Beispiel vor, Windows-Anwendungen, DOS-Programme, Spiele und Zubehör zu trennen. Das muss aber nicht sein. Man kann durchaus DOS-Programme, Windows-Anwendungen und GEM-Applikationen bunt mischen. Es ist dann zum Beispiel möglich, ohne weitere Fenster (Gruppen) zu öffnen, Ventura Publisher, GEM Artline und MS-Word zu starten und wahlweise zwischen diesen Programmen hin- und herzuschalten. Bis jetzt hielt ich das für unmöglich - zumindest für Windows.

Die Icons können Sie Windows-gestützt erstellen, kopieren und bei Bedarf auch in andere Fenster verschieben. Unbefriedigend empfand ich, dass Windows die Fenster nicht auf Doppeleinträge prüft. Wer seine Festplatten unbedacht von Windows nach Anwendungen durchsuchen lässt, hat unversehens ein und dasselbe Programm mehrfach in einem Fenster. Gut, man kann es dort löschen, aber lästig bleibt der Umstand schon.

Lernfähig

Zum anderen gibt es den Dateimanager. Hier sieht Windows 3.0 fast so aus wie seine Vorgänger. Alle Dateien werden mit ihrem vollen Namen angezeigt. Aber auch hier sind Änderungen im Hinblick auf eine grafische Oberfläche auszumachen. Damit sind weniger die Mini-Icons gemeint, an denen man immerhin schon Programme und Dokumente unterscheiden kann. Vielmehr zeigt Windows jetzt die Verzeichnisse in ihrer Baumstruktur an und gestattet endlich das Kopieren von einzelnen Dateien oder auch ganzen Unterverzeichnissen durch bloßes Anklicken und Verschieben mit der Maus. Apple- und GEM-Anwender werden sich fragen, was daran so besonderes ist. Nun: Microsoft kann es jetzt endlich auch. Natürlich lassen sich Programme auch vom Dateimanager aus durch Anklicken starten. Aber das wird die große Ausnahme bleiben: Microsoft hat Windows einige Hilfen für den Anwender mitgegeben, die das Erstellen von Icons für den Programm-Manager sehr einfach machen.
In der Hauptsache ist der Dateimanager die grafische Darstellung von DOS. Er gliedert Festplatten in Unterverzeichnisse, löscht Verzeichnisse, formatiert Disketten und kopiert, verschiebt, löscht Dateien oder benennt sie um. Windows gestattet das Öffnen mehrerer Verzeichnisfenster, so dass Sie komplexe Dateioperationen durchführen können, ohne im DOS-Handbuch nach den Parametern für XCOPY zu suchen. Legen Sie aber das DOS-Handbuch nicht zu weit weg: für ein Backup benötigen Sie es nämlich noch. Oder kennen Sie die vielen Schalter und Optionen so aus dem Kopf? Ich denke, es müsste möglich sein, das DOS-Befehlspaar BACKUP und RESTORE ebenso grafisch zu bedienen wie XCOPY oder FORMAT.

Kontrollzentrum

Die Datei WIN.INI gibt´s natürlich auch. Aber das Verfahren, sie zu erstellen, ist bedeutend einfacher und übersichtlicher geworden. Die einzelnen `Kapitel´ von WIN.INI sind jetzt als Icons nach außen geführt. Alle Einstellungen sind als Dialogfeld zugänglich. Windows organisiert dann das Umsetzen der angeklickten oder ausgewählten Optionen in Softwareschalter. Übersichtlicher geht es nicht, und man muss schon ein ziemlich eingefleischter Anhänger von Befehlszeilen sein, um die Vorteile einer durchgängig grafischen Schnittstelle zwischen PC und Benutzer zu ignorieren.
Die Umgestaltung von Windows von einem bunten Befehlszeileneditor zu einer grafischen Benutzeroberfläche ist ein mutiger Schritt in die Richtung, in der Personalcomputer ihren Nimbus verlieren, so technisch zu sein, dass sie ohne ingenieurmäßiges Zusatzstudium nicht zu bedienen sind.

Sage keiner, dass der PC mit seinem reichhaltigen Software-Angebot bereits die Akzeptanz gefunden hätte, die er im Interesse von Produktivitätssteigerung und Arbeitserleichterung haben könnte. Selbst im gelobten PC-Land jenseits des großen Teiches - gegen das die Bundesrepublik ein EDV-Entwicklungsland ist - arbeiten die meisten Betriebe noch nicht oder nicht durchgängig mit Rechenleistung vor Ort: nämlich mit `personal computers´.

Defizite

So weit, so gut. Aber bei aller Begeisterung, die überzeugte DOS-Anwender auf dem Weg vom Windows-Verächter zum überzeugten Anhänger mitreißt, gibt es auch ein paar bittere Pillen zu entdecken.
Sie liegen im Handbuch. Und zwar nicht in der Darstellung der einzelnen Windows-Funktionen. Die sind erstens sauber und schnörkellos erklärt und zweitens - siehe oben - durch die Hilfeprogramme ausreichend abgedeckt. Nein, das Problem liegt in den Anhängen, durch die man sich wühlen muss, wenn man das System nicht zum Laufen bekommt. Da stürzt ein 286er ab, wenn HIMEM.SYS geladen ist. Aha, es gibt da noch kleine Schalterchen. Oder der Rechner mit SCSI-Festplatte verheddert sich beim Multitasking. Auch hier gibt es Schalter und Optionen, deren Auswirkungen sich zu allem Überfluss auch noch überlagern können.

Und bitte schön, was ist Real Mode? Sie und ich wissen vielleicht, dass die Hardware-Entwickler der großen Intel-Prozessoren damit die Betriebsart bezeichnet haben, in der sich die Renner wie Steher verhalten. Aber was macht der Grafiker, der seinen vielgeliebten PageMaker unter Windows 3.0 laufen lassen möchte und die drohende Warnung erhält, er möge doch bitte den Real Mode aktivieren, das System andernfalls zu unberechenbaren Streichen neige? Er wird vielleicht das alte Windows wieder laden und auf das PageMaker-Update für Windows 3.0 warten.

Und warum ist es nicht möglich, unter Windows 3.0 aus einer Anwendung heraus den Warmstart durchzuführen, ohne gleich den ganzen Rechner neu zu booten? Hier ist Windows auch in der Version 3.0 keine Alternative zu Multitasking-Systemen wie VM/386.

Resümee

Die Mehrheit der Anwender wird mit diesen Einschränkungen leben können. Die Verbesserungen in der Benutzeroberfläche - die Schnittstelle des Rechnersystems zum Anwender - kann man mit solchen Mäkeleien nicht wegdiskutieren (aber vielleicht Anstöße für zukünftige Entwicklungen geben). Und den Real Mode sollte man nur notfalls für ältere Windows-Applikationen wählen, die in den erweiterten Modi nicht laufen. Die meisten Hersteller haben jedoch Updates angekündigt oder liefern sie bereits aus.
Die deutsche Microsoft-Tochter in München-Unterschleißheim liefert das 547 DM teure Windows 3.0 ausschließlich auf HD-Disketten im 3,5- oder 5,25-Zoll-Format aus, so dass man über einen AT verfügen sollte. Um in den Genuss der neuen Möglichkeiten zu kommen, sollte er mit mindestens 1 MByte ausgestattet sein. Seine volle Leistung entwickelt Windows jedoch erst auf 386ern, wobei der verfügbare Speicher nicht groß genug sein kann. (db)

Ergebnisse auf einen Blick
[ + ] einfache Installation
[ + ] gute Hilfefunktion
[ + ] unterstützt 286er und 386er
[ - ] ältere Applikationen sind nur im langsamen Real Mode lauffähig
[ - ] bei geringem Speicherausbau lange Wartezeiten beim Auslagern auf Festplatte


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Einäugig unter Blinden

Microsoft Windows 3.0

Ingo T. Storm

Da PC-Benutzer wie -Entwickler OS/2 nahezu ignoriert hatten, muss der Markterfolg von Windows 3.0 selbst Microsoft überrascht haben. Ist die aktuelle Version nun der Oberflächen-Weisheit letzter Schluss, oder ist sie nur auf einen durch DOS-Prompt- und 640-KByte-Frust fruchtbar gemachten Boden gefallen?

Es gibt viele gute Gründe, unter Windows zu arbeiten. Meiner Ansicht nach hat es aber die übergroße Begeisterung, die sich derzeit breit macht, nicht verdient. Doch zur Untermauerung meiner (zugegeben persönlichen) Einschätzung zuerst ein paar Details.

Nachdem auch der letzte Kommandozeilen-Fetischist irgendwo einmal eine grafische Benutzeroberfläche gesehen hatte, stieß Windows 3.0 zunächst auf große Neugierde. Wer sich auf dem Mac zu Hause fühlte, war zwar enttäuscht, aber `besser als nichts´ ist ja auch ein Argument.

Die Softwarehäuser aller Herren Länder erkannten die Zeichen der Zeit und strickten in größter Eile Windows-Applikationen aus bekannten DOS-Standards zusammen, neue Anwendungen kamen hinzu.

Alles in allem empfindet man Windows 3.0 erst einmal als reinen Segen, denn endlich braucht man keine ellenlangen Pfad-Statements in der Autoexec und kein phänomenales Gedächtnis dafür, wo welche Applikation auf der Platte herumliegt. Dieser erste gute Eindruck trübt sich jedoch schnell, vor allem im ständig strapazierten Vergleich mit dem Mac-OS.

Gute Gründe

Die wichtigsten Entschuldigungen will ich gleich vorausschicken. Erstens: Apple hat damals einen komplett neuen Rechner gebaut. Damit war es nicht besonders schwierig, auch das Betriebssystem konsistent neu zu designen und es komplett ins ROM zu packen. Windows muss sich mit DOS als Wirtssystem zufrieden geben, und dass ein in den Wurzeln über zehn Jahre altes, aufgemotztes CP/M nicht gerade ein Luxus-Fundament für eine moderne Benutzeroberfläche ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Stichworte hierzu sind prinzipiell nicht-reentrante, also nicht multitaskingfähige Betriebssystemroutinen und ein sehr spärliches Dateisystem.

Zweitens: Die 680x0er CPUs sind schlicht und einfach schöner zu programmieren. Mag ja sein, dass die Intel-Familie im direkten Vergleich doch immer ein kleines bisschen mehr Leistung bereitstellt, doch was nützt das, wenn auch die allerneueste Software uralte Betriebsmodi mit sardinenbüchsengroßen Adressbereichen unterstützt.

Drittens: Microsoft musste sicherlich Copyright-Streitigkeiten vermeiden und musste daher Windows anders gestalten als das Mac-OS. Insofern ließen sich nicht einfach alle guten Ideen übernehmen. Leider hat Microsoft bei der Eigenitiative nicht bei allen Details eine glückliche Hand gehabt. Dass Apple eine ganze Menge auch nur bei Xerox Parc abgekupfert hat, steht auf einem anderen Blatt.

Bei der Installation fangen die nervenden Kleinigkeiten an. Zwar erscheint schon nach der zweiten von fünf Disketten die grafische Oberfläche. Spätestens beim nächsten Diskettenwechsel fängt man aber an, sich zu wundern, beim fünften wird man sauer. Windows installiert das heißt kopiert mit dem Weitblick eines Maulwurfs. Anstatt am Anfang alle relevanten Fragen an den Benutzer zu stellen, fordert das Setup-Programm mehrere Disketten mehrfach an. Die genaue Reihenfolge lautet bei der Installation auf einem 386 SX mit Standard-VGA und einem NEC P6 Diskette Nummer 1, 2, 1, 2, 1, 2, 3, 1, 2, 5.

Anschließend sollte man dann aber gründlichst die Online-Dokumentation lesen, denn viele Hardwarekonfigurationen bereiten Windows Probleme. So muss man einen besonderen Schalter (VirtualHDIRQ = off) einbauen, wenn man einen SCSI-Adapter besitzt, der Busmaster-DMA benutzt.

Als nächste Motivationsbremse folgt der Ressourcenbedarf von Windows 3.0. Auf dem gelieferten Paket steht wohlweislich `ab 286´. Man bekommt zwar eine Installation auf einem XT hin, aber viel Freude macht sie nicht (Real-Modus, 640 KByte RAM insgesamt, abgesehen von EMS 4.0). Ein 286er mit minimal 2 MB erschließt die ersten Windows-Freuden, echtes Multitasking muss man sich aber noch abschminken. Windows läuft hier - ab 384 KByte XMS - im sogenannten Standardmodus.

Auf einem 386er (SX) beginnen dann endlich die höheren Windows-Weihen (erweiterter Modus), und der einzige echte Vorsprung gegenüber dem Mac offenbart sich: Multitasking ist zwar auf Single-User-Computern nicht gerade lebenswichtig, aber ab 4 MB wird es recht nett. Wenn der Ventura-Publisher mal wieder etliche Minuten braucht, um einen Text neu zu umbrechen, kann man ruhig schon das nächste Dokument bearbeiten. Sieht man sich einmal genauer an, wie Windows mit einem DOS-Fenster umgeht, wird auch klar, warum es solche erst über 2 MB RAM zur Verfügung stellt: Der gesamte Speicherbereich wird umgelagert und muss also irgendwo zur Verfügung stehen. Selbst direkte Bildschirmspeicherzugriffe (und so verfahren unter DOS praktisch alle Programme) werden sauber abgefangen. Nur mehrere Anwendungen im Grafikmodus können nicht nebeneinander und auch nicht im Fenster laufen, aber das wäre wohl auch etwas zuviel verlangt.

Kontrolle ist besser

Der Programm-Manager, die allem übergeordnete Kontrollinstanz, organisiert verfügbare Anwendungen in verschiedenen Gruppen, die jeweils als Icon erscheinen - allerdings nicht ganz unten auf dem Desktop, sondern am unteren Rand des Programm-Manager-Fensters. Auf das Desktop dürfen nur aktive Programme, die der Benutzer per Mausklick kollabiert hat - in diesem Zustand benötigen sie aber auch schon Speicherplatz und Rechenzeit ...

Die Anwendungen, die man vom Programm-Manager aus mit einem Mausklick aufrufen möchte, muss man aber erst installieren. Für die mitgelieferten Programme baut das Setup-Programm die Gruppen auf. Andere basteln sich eine eigene Gruppe bei der Installation. Weitere lassen sich nachträglich `halbautomatisch´ einfügen. Es bleibt aber immer noch die Möglichkeit der manuellen Bearbeitung: Man kann Programme kopieren, von Gruppe zu Gruppe verschieben, löschen oder auch über ein PIF-File aufrufen lassen. In der PIF-Datei kann man zum Beispiel festlegen, wie viel Speicher eine normale DOS-Applikation maximal beanspruchen darf - getrennt für DOS-RAM, EMS und XMS. Die letzteren stellt Windows dann auch durch ein virtuelles Speichermanagement in rauen Mengen zur Verfügung.

Sucht man nach Möglichkeiten, Dateien zu verschieben, zu kopieren oder umzubenennen und so fort, stößt man auf den Datei-Manager. Dort lassen sich zwar alle diese Aufgaben bewältigen, allerdings nicht gerade in übermäßig übersichtlicher Manier. Zwei der größten Nachteile von Windows 3.0 gegenüber der Mac-Oberfläche schlagen hier erbarmungslos zu: unter Windows sind nicht alle Fenster frei beweglich, sondern nur innerhalb des Mutterfensters (zum Beispiel Programm- oder Datei-Manager). Des weiteren verlangt die strikte Trennung zwischen Programm- und Datei-Manager Verrenkungen, die eigentlich nicht hätten nötig sein müssen.

Zum einen müssen Sie immer noch erst eine Applikation öffnen, um anschließend das zu bearbeitende Dokument zu suchen. So muss man sich immer noch merken, wo einzelne Dateien auf der Platte herumliegen; die Boxen zum Öffnen von Files sind bei der Suche zwar nützlich, könnten aber besser sein. Bei eindeutigen Verknüpfungen von Applikationen zu Dokumenten wäre alles einfacher. Man könnte die Dokumente nach Projekten gruppieren, also thematisch zusammengehörige Dateien in ein Unterverzeichnis stellen, um per Mausklick auf die richtige Datei auch gleich das dazugehörige Programm zu starten. Leider kennt Windows diese Verknüpfungen nur per Dateierweiterung, und diese sind von Hand in das Systemfile WIN.INI einzutragen. Zum Glück machen `echte´ Windows-Programme, so zum Beispiel Excel, das selbst, ähnlich wie beim Aufbau der Programmgruppen.

Bleibt die Beurteilung der Oberfläche selber. Im Vergleich mit dem Mac vermisst man eine globale, weitgehend einheitliche Menüzeile, die auch häufig gebrauchte Utilities bereithält. Statt dessen besitzt jedes Programm und jedes seiner Unterfenster einen Menübalken. Will man ein anderes Programm `kurz einmal aufrufen´, führt der Weg wieder über den Programm-Manager.

Kennt man diese Umwege erst einmal, geht die Navigation per Maus und gelegentlichen Tastaturbefehlen (Alt-Tab zum zyklischen Taskwechsel) schnell und einfach von der Hand. Außerdem sind viele Programme in der Windows-Version einfacher zu bedienen und wegen der grafischen Oberfläche auch schöner.

Aber ...

Nach drei Seiten Nörgelei könnte man meinen, ich hielte nichts von Windows 3.0. Allerdings arbeite ich den ganzen Tag damit, nur einen alten DOS-Editor gönne ich mir noch. Wenn ich meine Mac-Erfahrungen mal eben verdränge, bietet Windows doch eine ganze Menge Verbesserungen, die seinen Einsatz sowie seinen Preis rechtfertigen können. Man braucht schon eine gewisse Einarbeitungszeit und recht weitgehende Systemkenntnisse, um aus Windows alles herauszuholen. Dann erleichtert es den PC-Alltag aber ungemein.

Ich habe nun allerdings auch einen 386 SX mit 5 MB. Wer meint, das sei für einen einfachen Betriebssystemaufsatz zuviel, möge im Anzeigenteil einmal nach Preisen Ausschau halten. Ein Rechner wie meiner kostet heute nicht mehr als ein 286er mit 1 MByte RAM vor zwei Jahren. Und da Microsoft ja laut eigener Werbung `die Zukunft der Software macht´, darf Windows wohl auch nach etwas dickeren Rechnern verlangen. (it)

c't 9/1991 Seite 21

Multimedia Windows

Gemäß dem modischen Trend kündigt Microsoft ein für Multimedia aufgepepptes Windows an. Es bietet ein erweitertes Control Panel (Device-Treiber für CD-ROM-Laufwerke, Joysticks, MIDI-Mapper, ...) und eine Reihe neuer Tools (Musikbox zum Abspielen und Katalogisieren von Audio-CDs, Sound Recorder, Media Player für animierte und vertonte Sequenzen, Weckuhr). Für Entwickler gibt es ein Multimedia Development Kit, das neben C-Routinen zum Zugriff auf die Multimedia-Erweiterungen ein Autorenkit zum Erstellen von Multimedia-Titeln nebst einem `Multimedia Viewer´ enthält. Mit dem Autorenkit soll man traditionelle Informationen mit Volltextsuche, Hypertext-Elementen, Ton und Animation versehen können.
Das multimediale Windows wird als OEM-Produkt an Hersteller von Rechner mit bestimmten Ausstattungsmerkmalen ausgeliefert. Diese Multimedia-PCs sollen laut Microsoft mindestens einen 10-MHz-286er enthalten, ferner 2 MByte RAM, VGA-Grafik, 30-MByte-Platte, digitales Audio-System, MIDI-Schnittstelle, Joystick und natürlich ein CD-ROM-Laufwerk. Damit der Kunde das alles einfacher erkennt, will Microsoft an Rechner mit diesen Merkmalen das Warenzeichen `MPC´ vergeben. Er sollte trotzdem noch darauf achten, daß man ihm keinen 10-MHz-AT andreht.