Kurzinfos

Klasse Betriebssystem 32-Bit
CPU x86, Alpha, MIPS
Versionsnummer Windows NT 3.1 Build 511
Codename NT 3.1 Beta ?
Codezeilen 5,6 Millionen
Datenträger 3,5 Zoll Disketten, CD-ROM
Preis Vollversion 470 €
Preis Update 409 €
Markteinführung USA 27 Juli 1993
Ende Support 31.12.2000

Startsound

Zahlen Trivia

23
Disketten 3,5 Zoll HD bilden einen Installationsatz für NT 3.1.

NT 3.1
Werbung mit Pin, der die einzelnen Windows Marktsegmente der damaligen Zeit zeigt

Windows NT 3.1

NT 3.1 LogoDer Name irritiert zwar etwas, die erste Version von NT heißt 3.1 - vermutlich um die Version optisch mit der damaligen Windows 3.1 Version anzupassen. Ein weiterer Grund könnte sein, das OS/2 3 der Grundstein der Entwicklung war. OS/2 wurde Ende der 1980er Jahre zusammen mit IBM entwickelt, um ein neues modernes Standardbetriebssystem zu schaffen. Allerdings konnte sich OS/2 am Markt nicht durchsetzen: zu teuer, zu viele Kompatibilitätsprobleme.

1990 beendeten Microsoft und IBM ihre Zusammenarbeit, da waren aber Nachfolgeversionen längst in Arbeit, OS/2 2 bei IBM, der Grundstein für die weiteren Jahre bis hin zu OS/2 Warp und bei Microsoft arbeitete man an der besagten 3er Version. Nach Presseberichten versuchte man nun bei Microsoft mit diesem System den neuen Standard im Markt zu setzen, nach einigen Verschiebungen positionierte man relativ kurzfristig NT dann doch als Client-Server Betriebssystem für größere Netze. Darin liegt auch begründet, dass die normale Ausgabe nicht den Zusatz Workstation trägt - es wäre die normale PC Version gewesen - und der Server gleich zum Advanced Server wurde.

Offiziell startete die Entwicklung von Portasys (Portable Systems) - wie Windows NT ursprünglich heißen sollte, da es auf mehrere Plattformen portierbar sein sollte - im Juli 1989. Das Testsystem lief auf einem provisorischen i860. Ein Jahr später wurde beschlossen, dass NT die Oberfläche von Windows 3.x statt die ursprünglich vorgesehene OS/2 Presentation Manager Oberfläche erhält. Die fünf-jährige Entwicklung verschlang rund 150 Millionen US-$ und in der Beta Phase wurden 30.000 Bugs beseitigt.

NT 3.1

Manche Gerüchten besagen aber auch das es anders begründet sein kann: Als damals angefangen wurde, Windows NT zu programmieren, war das Ziel, Windows auf dem Intel i860 Prozessor laufen zu lassen (ein Risc Prozessor). Microsoft benutzte dafür den Emulator "N10"... oder auch "N-Ten" geschrieben.

Die offizielle Deutung für Windows NT ist New Technology (Neue Technologie).

Im ersten Jahr sollen nur 300.000 Einheiten verkauft worden sein.

Galerie GUI

Die grafische Oberfläche

Die grafische Oberfläche wurde von Windows für Workgroups 3.1 entliehen. Diese verhält sich auch wie man von dort gewohnt ist. Der Programm-Manager beinhaltet die Programm Verknüpfungen. Allerdings gibt es nun zwei Arten von Programmgruppen: Private vom Benutzer und für alle Benutzer des Computers. Der Dateimanager ist hingegen optisch identisch mit der Workgroupsvariante.

Die Systemsteuerung bietet als besonderes Fenster im Programm-Manager nun deutlich mehr Einstellungen für Systemdienste, welche unter WfW noch über das Windows Setup bedient werden mussten.

Galerie Zubehör

Zubehör

Beim Zubehör ist zunächst eine Ähnlichkeit zu den Programmen von WfW festzustellen. Alle Programme bis auf der Makrorekorder und der Kalender, dieser wurde scheinbar durch Schedule+ ersetzt, sind auch unter NT 3.1 vorhanden. Nun sind dies jetzt 32-Bit Windows Programme. So kann der NT Editor deutlich größere Dateien öffnen, und auch Paintbrush kann besser mit übergroßen Zwischenablagenobjekten umgehen.

Als neue Komponenten sind einige weitere Manager und Hilfsprogramme hinzugekommen. So haben Benutzer, Drucker und Festplatten eigene oder erweiterte Manager bekommen. Eine Tool kann grafisch die Auslastung diverser Systemressourcen anzeigen. Die Ereignisanzeige sollte diverse Log-Dateien ablösen, indem hier zentral Ereignisse erfasst werden.

Für ältere Programme für DOS wurde eine Eingabeaufforderung eingebaut.

Galerie Setup & Start

Setup und Start

Das Setup kann auf verschiedenen Wegen eingeleitet werden, es gibt je eine Startdiskette für die Installation auf einen blanken System für Disketten und CD-ROM. Man kann aber NT auch neben einem DOS-System installieren und dazu das Setup über den Befehl winnt von DOS aus starten. Dies funktioniert auch unter DOS 7 von Windows 95 aus, zerstört aber alle langen Dateinamen auf FAT16 Partitionen, welche von NT 3.1 benutzt werden. Bei dieser Methode wird eine eigene Bootdiskette für diesen Weg erstellt. Am Ende wird ein Bootmanager eingerichtet, welcher es erlaubt beim Computerstart den Start von DOS oder NT zu wählen.

Das Setup selbst läuft in mehreren Phasen ab, zunächst in einem Textmodus. Später nach mindestens einem Neustart startet ein grafischer Modus. Hier kann man NT Komponenten zur Installation auswählen, einen Drucker installieren, ein Netzwerk konfigurieren sowie Programmverknüpfungen von bereits installierten Anwendungen erstellen lassen. Auch werden hier Administratorpasswort und ein Benutzerkonto eingerichtet.

Der Start besteht aus mehreren Phasen. Zunächst erscheint gegebenenfalls der Bootmanager,  anschließend ein Lader für das Hardwareprofil, hier kann man den Bootvorgang unterbrechen um zu einer als letzte funktionierend erkannten Hardwareinstallation zurückzukehren. Anschließend startet Windows NT mit einer kurzen Statusmeldung mit Versionsnummer und evtl. Servicepack und verfügbaren Arbeitsspeicher.

Da eine Schlüsselrolle die Sicherheit spielte, muss man sich vor der Arbeit erst einloggen, dies geschieht durch die Tastenkombination [STRG]+[ALT]+[ENF], einem vorher festgelegten Account und Passwort. Die Tastenkombination hat einen ganz bestimmten Zweck. Auf MS-DOS Rechnern führt das Drücken zu einen Neustart, somit kann verhindert werden, das andere Programme als die echte Passwortabfrage aufgerufen werden kann.

Systemkonfiguration x86:

  • Personalcomputer mit einem 386-Mikroprozessor ab 25 MHz (486 oder höher empfohlen)
  • Mindestens 12 MB Arbeitsspeicher
  • Eine Festplatte mit 75 MB verfügbarem Speicherplatz
  • Ein 3,5-Zoll- oder 5,25-Zoll-HD-Diskettenlaufwerk
  • VGA, Super-VGA oder ein anderer Videografikadapter, der mit Microsoft Windows NT 3.1 kompatibel ist
  • Empfohlen: Ein Microsoft Windows NT-kompatibles CD-ROM-Laufwerk.

Systemkonfiguration RISC:

  • Ein Windows NT-kompatibles RISC-System
  • Mindestens 16 MB Arbeitsspeicher
  • Eine Festplatte mit 92 MB verfügbarem Speicherplatz
  • Empfohlen: Ein Microsoft Windows NT-kompatibles CD-ROM-Laufwerk.

Hinweis: Diese Software kann auf Systemen mit bis zu zwei Prozessoren verwendet werden.

Empfohlen:

  • Microsoft Mouse oder kompatibles Zeigegerät
  • Netzwerkadapterkarte
  • Audio-Karte
  • Hayes oder kompatibles Modem

Technische Eigenschaften

Unter der Oberfläche von Windows 3.1 steckt allerdings wirklich ein komplett neues Betriebssystem. Es basiert nicht mehr auf DOS, es kann aber einfache DOS Anwendungen ausführen, dabei auch mehrere DOS-Programme geschirmt voneinander parallel laufen lassen. Durch eine Mehrschichtarchitektur können Programme nicht mehr direkt auf Hardware zugreifen, darin lag einer der Gründe von Kompatibilitätsproblemen, war aber Vorraussetzung für erhöhte Sicherheit und Stabilität.

NT lief im Gegensatz zu DOS (16-Bit) nun mit 32-Bit, diese Registerverbreiterung erlaubte die deutliche Erweiterung des Speicherraums, 4 GB Arbeitsspeicher, davon 2 GB maximal pro Programm klangen damals nach utopisch viel. NTFS erlaubte nun die Verwaltung von 2.000 GB Festplattenspeicher. Auch wurde preemptives Multitasking eingeführt, eine zentrale Instanz - der Scheduler - verteilt die Rechenzeit dynamisch auf alle Programme und Threads (Unterabläufe eines Programms), vorherige Multitaskingansätze waren meist kooperativ, Programme mussten von sich aus auf Rechenzeit verzichten.

Lediglich Windows Programme, welche für die 16-Bit Versionen von Windows geschrieben wurden, müssen auf kooperatives Multitasking zurückgreifen. Diese Anwendungen teilen sich eine virtuelle Maschine.

Windows NT 3.1 verfügt über mehrere Schichten ,bzw. Kompatibilitätsstufen, um Programme auszuführen, welche wie folgt unterteilt sind:

  • WIN32: Programme welche für NT direkt geschrieben wurden, die Unterschiedlichen Architekturen erfordern allerdings eine jeweilige Neuübersetzung (Quelltextkompatibilität).
  • OS/2 1: Reine textbasierte Konsolenprogramme können unter allen Prozessoren binärkompatible ausgeführt werden. Den Versionen für Alpha und MIPS fehlte diese Emulationsschicht.
  • POSIX: Quelltextkompatibilität, die Programme müssen für die jeweilige Architektur neu kompiliert werden.
  • WIN16: Programme für DOS-basierte Windowsversionen laufen in einer gemeinsamen virtuellen DOS Maschine (VDM), diese Funktion wird Windows-on-Windows genannt. auf Intel Plattformen laufen Sie Dank direkter CPU Unterstützung auch mit i386 Befehlen, bei RISC Systemen erfolgt eine reine softwareseitige Emulation, welche nur den 80286-Befehlssatz abdeckt.
  • DOS: Jede DOS Anwendung bekommt eine eigene VDM.

Windows NT ist ein Betriebssystem, welches mehrere Anwender unterstützt. Jeder bekommt dabei einen eigenes Profil für seine persönlichen Einstellugnen. Die Benutzerverwaltung ist dabei nicht nur auf die Vergabe von Passwörtern beschränkt, einzelnen Benutzern können Schreib-/Lese-/Löschrechte eingeräumt werden, und das auf verschiedenste Ressourcen. Insbesondere gibt es verschieden mächtige Benutzerebenen, die zumeist in Benutzergruppen zusammengefasst werden, wie Gäste, Benutzer und Administratoren.

Windows NT 3.1 unterstützt mehrere Dateisysteme. Neben FAT von DOS auch HPFS von OS/2 und ein neues namens NTFS. Dieses ermöglicht erst Dateirechte zu vergeben. Zudem ist sind mit NTFS größere Partitionen und Dateinamen mit bis zu 255 Zeichen statt der üblichen 8+3 Zeichen bei FAT möglich.

Die besondere Stärke von NT 3.1 ist die Netzwerkunterstützung, neben den allgemeinen Modellen der Arbeitsgruppe (Workgroup) und der Domäne (Domain) kann NT 3.1 auf folgende Netzwerke zugreifen: LAN Manager, Novell Netware, DEC Pathworks, Banyan Vines, Unix und SNA Networks. Erstmals wird das TCP/IP Protokoll mitgeliefert, auf das heute alle gängigen Netzwerke (inklusive dem Internet) aufbauen.

Portable Architektur

Windows NT lief dann auch auf verschiedenen Prozessoren auch jenseits der x86 i386er auf MIPS Risc und DEC Alpha Prozessoren. Auf Grund einer fehlerhaften Prozessorerkennung lässt sich NT 3.1 nicht mehr ohne weiteres auf Systemen mit Pentium II und besser installieren, Abhilfe schafft ein Patch auf der Downloadseite. Die Windows NT Serie sollte im Verlauf noch öfters alternative Prozessoren unterstützen.

NT 3.1 kam mit der Unterstützung dieser Alpha Rechner, allerdings mussten sich NT Besitzer mit passendem Rechner die CD extra bestellen. Mehr Infos in der zeitgenössischen Informationsbroschüre "Das Fenster zu Windows NT: Produkte und Dienstleistungen von Digital" (PDF 5,5 MB).

Prozessorarchitekturen von Windows

Bei Windows dachte man früher an das Kunstwort "Wintel", Symbiose aus Windows und Intel, die Microsoft Software wird mit dem klassischen Intel - oder kompatiblen - Prozessoren der x86 Architektur verbunden. Dies trifft aber nur auf die klassischen DOS-Windows Versionen von Windows 1 bis ME zu, bei Windows NT hat man auch schon frühzeitig alternative Plattformen bedient. Folgende Übersicht zeigt welche Windows (NT) Version welche Prozessoren unterstützt hat.

  x86 x64 MIPS Alpha Power PC IA64 Itanium ARM
NT 3.1 + - + (+) 3 - - -
NT 3.5 + - + + (+) 1 - -
NT 3.51 + - + + + - -
NT 4.0 + - (+) bis SP1 + (+) bis SP2 - -
Win 2000 Professional + - - - 2 - - -
Win 2000 Server + - - - 2 - + 4 -
Win XP + + - - - (+) 5 -
Win 2003 r1/r2 + + - - - + -
Windows Vista/7 + + - - - - -
Win 2008 r1 + + - - - + -
Win 2008 r2 - + - - - + -
Windows 8 + + - - - - (+) RT
Windows 10 + + - - - - IoT

1 = nur PowerPC OEM in Form des IBM RS/6000
2  = nur als Vorversion (Windows 2000 RC1), endgültige Version unterstützte Alpha nicht mehr
3 = CD-ROM für DECpc AXP 150 musste kostenlos bestellt werden
4 = Nur Advanced Server in der "Limited Edition"
5= Sehr seltene eigene Version von Mitte 2003 bis Ende 2005

Allerdings tauch(t)en diese nicht-x86 Prozessoren selten in PCs auf, da sie sehr teuer sind, man findet sie eher im Workstation und Server Bereich, bzw. bei Spezialanwendungen.

Es werden auch mehrere Prozessoren in einen System unterstützt. Die Workstation unterstützen 2 Prozessoren, die Server mindestens 4 CPUs.

Galerie Lieferumfang

Lieferumfang und Packungen

Windows NT 3.1 wurde in einer einzigen Edition für Einzel-/Mehrplatzrechner geliefert. Diese hatte keinen Zusatz, ist aber mit den späteren Workstation-Editonen vergleichbar. Im Lieferumfang befand sich ein Satz Disketten, sowie eine CD-ROM. Die CD-ROM ist nicht bootfähig, dafür ist eine Bootdiskette beigelegt. Eine andere startet die Installation von Disketten. Zum Booten auf älteren Computern liegen die Bootdisketten auch als 5,25 Zoll Versionen bei, die restlichen Disketten sind aber im 3,5 Zoll Format. Die Installations-CD enthielt nur Dateien für x86 und MIPS Computer. Die für Alpha Computer musste extra bestellt werden.

Der Lieferumfang enthält weiterhin Handbücher und einen Installationschlüssel welcher nur bei Supportanfragen benötigt wurde.


Die NT 3.1 Packung (DE)

Die NT 3.1 Packung (US)

Galerie Beta

Betaversion

Wie erwähnt ging NT durch eine längere Phase der Entwicklung, mit dem Betatest von Windows NT gab man sich besondere Mühe und versuchte ihn möglichst breit stattfinden zu lassen. Nun hier ein paar Impressionen aus einer sehr späten Beta von Windows NT 3.1.

Wie üblich in dieser Phase kurz vor Fertigstellung sind allerdings kaum große Unterschiede zum Endprodukt festzustellen. Lediglich ein 3270 Emulator findet sich im Lieferumfang, welcher nicht mehr im Endprodukt auftaucht. 3270 war der Name der Terminals, die für den Zugriff zu IBM Mainframes (System/360,/370,/390,z) verwendet wurden. Es handelt sich um eine Art von Telnet-Programm.

NT 3.1
Ein DEC 2000 AXP, einer der kleineren Alpha PCs.

Die Welt des Anwenders

Mit Windows NT betrat Microsoft für sich Neuland. Aber auch für die Administratoren begann eine neue Zeitrechnung. Es gab eher wenige große Computernetze, bisherige Netzwerkbetriebssysteme hatten vor allem auf die eine oder andere Art sich darauf beschränkt Benutzern Dateien oder Drucker bereitzustellen. Auch mit Windows NT begann der Wandel zum Anwendungsserver. Dieser bot eine erweiterte Dienstpalette: Von verschiedensten Netzwerkeinstellungen bis hin zum Datenbankservice.

Windows NT 3.1 galt als schwere Kost, die Systemanforderungen waren nicht gerade niedrig, aber es hatte auch einige Unzulänglichkeiten. Erst der Nachfolger Windows NT 3.5 galt als bereinigt und stabiler.

Quellen

c't Magazin 11/1993; Seite 142; Paarige Premiere; Peter Siering
c't Magazin 9/1992; Seite 42; Betriebssystem-Power; Peter Siering

Videos

Meine kleine Packungsreview als Video.

Meine Videoreview von den Windows NT 3.1 Packung.
Der Startsound

Der Startsound von NT 3.1 als Video.
Bill Gates im Werbevideo über NT 3.1

Bill Gates erzählt über NT 3.1

Schnelle Zeitleiste

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