Da Anfang der 80er Microsofts Hauptgeschäft darin bestand, DOS-Lizenzen zu verkaufen, entschloss sich Bill Gates, eine Grafische Oberfläche für DOS zu schaffen, um der Konkurrenz von VisiON und anderen entgegen zu wirken. Im April 1983 war dann die erste Version fertig, die sich „Interface Manager“ nannte, die PR-Manager erschufen aber den Namen Windows, da die Entwickler immer von Fenstern sprachen.
Daraufhin kündigte Bill Gates - entgegen der Meinung der Entwickler - Windows für die Comdex 1983 an. Dazu ließ er 20.000 Betten in Las Vegas mit Windows- Kopfkissenbezügen ausstatten. Mit Erfolg: 90 % der Messebesucher kannten Windows 1.0, das im April 1984 erscheinen sollte.
Als im Januar 1984 der Macintosh erschien, war Bill Gates der Meinung, dass Windows genauso aussehen sollte, was eine Menge Arbeit für die Entwickler bedeutete. Zwischenzeitlich existierte ein Prototyp mit überlappenden Fenstern. Dazu kam das Problem, dass Windows nicht wie die Mac Oberfläche nur auf einen Gerät laufen sollte, sondern auf einer Vielzahl von PCs. Dies bedeutete, jede Menge Treiber für Windows zu programmieren.
Der offizielle Release-Termin war schon Monate überfällig, da forderte Gates, dass Windows DOS-Programme, ähnlich wie IBMs TopView, ausführen sollte. Dies verschob den Auslieferungstermin von Juni 1985 dann auf den November 1985. Dies war dann tatsächlich der echte Erscheinungstermin und es erschien 19 Monate später als zuerst angekündigt und wurde für 99 $ auf den Markt geworfen. In einem späteren Interview meinte Steve Ballmer, der heutige Chef von Microsoft, sich an sechs oder sieben verschiedene Windows 1.0 Vorversionen zu erinnern, bis die finale Version gekürt wurde.
Trotz des ganzen Aufwands wurde Windows kein Erfolg, damit war es allerdings in guter Gesellschaft, die grafischen Benutzeroberflächen stießen allgemein auf Skepsis, weder VisiOn noch DESQ konnten sich bereits vorher im PC Bereich gut etablieren. Die zögerliche Haltung hatte aber konkrete Ursachen, zum einen waren die damaligen PCs noch relativ leistungsschwach, mehrere Anwendungen gleichzeitig waren daher selten sinnvoll.
Zudem fehlten spezielle Programme, die die Vorteile und Eigenheiten der grafischen Oberflächen nutzen, bei Microsoft waren viele Entwickler durch die ständigen Verschiebungen und vor allem technischen Änderungen abgesprungen. Eine der wenigen Firmen, die tatsächlich ein Windows Programm herausbrachten war Micrografx mit In-A-Vision, einer Grafikanwendung.
Selbst Apple kannte dieses Problem. Auch der gefeierte Macintosh war zunächst ein Sorgenkind, die Firma lebte vor allem durch den Verkauf des Vorgängers Apple II. Erst mit sinnvollen Anwendungen, unter anderem Excel, wurde der Macintosh ein gewisser Erfolg. Für Excel schloss man bei Microsoft für Apple einen 2 Jahres Exklusivvertrag ab, dieser erlaubte es Microsoft im Gegenzug von der grafischen Benutzeroberfläche des Macintosh sich Techniken anzueignen. Allerdings kam daher Excel für den PC erst Ende 1987 auf dem Markt und ist daher selten unter Windows 1 gesehen worden.
Das Arbeiten mit DOS Anwendungen unter Windows brachte kaum Vorteile, zudem war die Hardwarebasis extrem leistungsschwach. So boten nur wenige Hersteller Farbmonitore an. Festplatten waren eher die Ausnahme und auf einem 8088 Prozessor mit Diskettenlaufwerk war Windows recht langsam.
Windows 1.01
Windows 1.02
Windows 1.03
Windows 1.04
Dieses erste Windows ist eher mit dem Norton Commander (Ein ehemals populäres DOS Dateimanagerprogramm) als den heutigen grafischen Benutzeroberflächen zu vergleichen. Als Haupteingabegerät dient ein revolutionäres, aber nicht ganz neues, Eingabegerät: Die Maus.

Als Oberfläche dient eine Art von Dateimanager. Die einzelnen Programme müssen anhand ihres Dateinamens ausgewählt werden. Es gibt einen großen Unterschied in der Bedienung von Windows 1.0x gegenüber den späteren Versionen: Wenn man einen Menüleistenpunkt auswählt (z.B. "File"), so muss man die Maustaste gedrückt halten. Er bleibt nicht automatisch offen.

Dies bedeutet: Will man beispielsweise den Taschenrechner starten, kann man kein Symbol auswählen, sondern muss die Datei calc.exe suchen und sie durch Doppelklick starten. Um die Programme schneller zu finden kann man unter "View" selbige herausfiltern lassen.

Absolut revolutionär waren die Multitasking-Möglichkeiten. Mehrere Programme konnten gleichzeitig laufen - Jedenfalls in der Theorie. Tatsächlich wurde ein kooperatives Multitasking angewendet. Die Programme gaben freiwillig ihre Rechenzeit ab und wurden so schlicht angehalten. Aber immerhin wurde so der ständige Programmneustart erspart. Minimierte Programme wurden übrigens als Symbol am unteren Bildschirmrand dargestellt, was ein wenig an die heutige Taskleiste erinnert.


Ein anderes Schlagwort war "Copy & Paste", also die Zwischenablage. Es war möglich, zwischen den verschiedenen Windows-Programmen einfach Daten auszutauschen - sei es ein Bild oder eine Zahlenreihe.


Paint war noch komplett 1-bitig, d.h. nur schwarz und weiß, also nicht mal Grautöne. Dafür konnte man verschiedene Muster als Farbersatz auswählen. Neben den normalen Zeichengeräten gab es noch ein Würfeltool, mit dem man dreidimensionale Würfel zeichnen konnte.

Es gab auch schon ein Spiel: Reversi. Es wurde aus mir unerfindlichen Gründen nicht mehr in Windows 3.1 übernommen. Bis Windows 3.0 war es noch dabei.
Windows 1.02 ist die Europaversion von Windows 1.01. Hauptunterschied ist die Lokalisierung in einige europäischen Sprachen, wie Deutsch.






Leicht verbesserte Version. Die Änderungen sind:
Die Version 1.03 ersetzte damit in den USA direkt die 1.01 und in Europa 1.02; Zitat Readmedatei:
"Version 1.03 of Windows supports all of the features of and replaces both the 1.01 version of Windows shipped in the US, and the 1.02 version shipped in Europe."






Wen jetzt interessiert was damals für Hardware zu bezahlen war, sollte sich mal die Preislisten von Dezember 1986 im Downloadbereich zu Gemüte führen.

Windows 1.04 ist gegenüber Windows 1.03 eine fehlerbereinigte, die Updates im Detail:


Die Orignalverpackung von Windows 1.02 deutsch.

Die Orignalverpackung von Windows 1.03 deutsch.
Von Windows 1 wurden bisher 2 Packungen identifiziert, eine für Windows 1.02 und eine für Windows 1.03. Letztere wirbt mit einer Sonderausgabe, dass Write und Paint enthalten sind, welche aber schon in Windows 1.02 ohne Aufhebens enthalten waren, aber auch nicht speziell auf der Packung erwähnt wurden. Die Systemvoraussetzungen stiegen scheinbar wegen Write von 256 auf 320 KB. Arbeitsspeicher.
Einige Retailpakete wurden auch als OEM Pakete Rechnern beigelegt, teilweise mit Ergänzungen, siehe Bilder der Olivetti Version in der Galerie.
Windows 1 war zu seiner Zeit keineswegs bedeutsam. Grafische Oberflächen hatten es sehr schwer gegen traditionelle Tastatureingabe auf dem Prompt. Zudem war der Computermarkt noch sehr segmentiert, dutzende Marken und Standards existierten, da machte der PC nur einen Teil des Marktes aus. Der Erfolg der späteren Versionen rechtfertigt als Einziges einen Blick auf die Urversion.
Aus heutiger Sicht mutet die Version wahrscheinlich noch seltsamer an, als zu der Zeit. Das gewohnte „Windows-Verhalten“ existiert noch nicht. Die Bedienung der Maus, zusammen mit der festen Fensteranordnung, ergibt ein seltsames Bild. Da auch kaum Anwendungen existieren, ist diese Version ein Kuriosum in einer Museumsausstellung, welche keinerlei moderne Ansprüche befriedigen kann.
Es gibt immer noch einen Diskurs über die Urheberschaft der grafischen Benutzeroberflächen und das Windows doch nur von Apple geklaut wurde. Dieser Mythos ist aber zu kurz gegriffen, zwar stimmt es das Microsoft Zugriff auf Macintosh Prototypen hatte, diese waren auch nötig um Anwendungen für diesen Computer zu schreiben, aber die Geschichte der Revolution im Computerdesign fand schon viel früher statt.
Die Maus als Eingabegerät für grafische Benutzeroberflächen mit Icons & Papierkorb und sogar Vernetzte Rechner stammen aus den Labor PARC von Xerox in Palo Alto. Schon 1981 brachte man einen Computer mit diesen Eigenschaften heraus, den Star. Die Firma war allerdings sich dessen Potenzials nicht bewusst, das Hauptgeschäft waren Kopiergeräte. Die Computer waren auch sehr hochpreisig und nur wenige wurden verkauft.
Apple hatte es geschafft den Vorstand zu überzeugen, diese Abteilung zu besuchen. Die Ideen wanderten ab und später auch Mitarbeiter. Auch Microsoft bezog etliche Mitarbeiter von dort, wie Charles Simonyi unter dessen Leitung später Multiplan, Word und Excel entstanden.
Als der Macintosh zu Anfang sich nicht gut verkaufte ging Apple einen Handel mit Microsoft ein, Microsoft dürfte für Windows 1 Elemente der eigenen GUI benutzen und würde im Gegenzug Anwendungen für den Macintosh entwickeln.
Später klagte Apple beim Erscheinen von Windows 2, das dies nicht abgedeckt sei, Jahre später wurde die Klage als unbegründet abgewiesen. Hintergrund war wahrscheinlich eh der Versuch OS/2, das dieselbe Oberfläche wie Windows 2 hatte, zu behindern, weil man die Verbindung von Microsoft und IBM fürchtete. Entweder war der Plan genial oder überflüssig. OS/2 floppte bekanntermaßen.
| Systemvorrausetzungen | Minimal | Sinnvoll |
| Prozessor | Intel 8088 | 8 MHz x86 CPU |
| Arbeitsspeicher | 256 KB | 640 KB |
| Festplatte | keine | 1 MB |
| Laufwerk | Diskettenlaufwerk | Diskettenlaufwerk |
| DOS | 2.0 | 5.0 |