Chicago war der Codename für die Weiterentwicklung der populären Windows 3 Generation, weshalb die PC Zeitschriften auch gerne von Windows 4 sprachen. Windows 95 als Name wäre auch noch nicht treffend gewesen, Anfang 1994 ging man noch von einem Release am Ende desselben Jahres aus.
Tatsächlich verschob sich der der Erscheinungstermin - wie so häufig - öfters:
Die Alphaversion wurde bis zum offiziellen Betatest ab der ersten Hälfte von 1994 mit einigen Tausend Testern durchgeführt. Einen großen Auftritt hatte Chicago bereits im Herbst 1993 auf der Comdex, wo Bill Gates einen Laptop präsentierte, der die neuen Plug&Play Fähigkeiten der Software ausnutzen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war auch nicht klar, ob die Komponenten DOS 7, Windows 4 und Windows für Workgroups in einem Paket erscheinen sollten.
Nachdem Build 73g für eine der ältesten Chicago Versionen gehalten worden war, tauchte irgendwann noch eine ältere Build 58s vom August 1993 auf. Daher beschränke ich mich bei dieser Version nur auf die Änderungen zu 73g, so dass Detailerklärungen teilweise unten zu finden sind.
Chicago Build 58s ist ein reines Update für Windows 3.x, das Setup kann nur unter Windows gestartet werden.

Da diese Version noch recht früh ist, bietet Chicago von sich aus an, es in ein anderes Verzeichnis zu installieren als das bisherige Windows, da die Wahrscheinlichkeit des Zerschießens von Windows recht hoch ist.

Ist dies bewältigt muss der Rechner neu gestartet werden und er bootet dann mit einen für Windows 3.x Verhältnisse bunten, spektakulären Bootbildschirm, bei dem kleine Windows Symbole um den Schriftzug "tanzen".

Das erste was man in Chicago zu sehen bekommt ist eine Warnung, dass man nicht zu viel erwarten darf, da Chicago ja noch in der Entwicklung ist. Weil dies der Fall ist, laufen ständig im Hintergrund 2 Fehleranalyseprogramme: Tracker und Dr. Watson.

Der Desktop hat freilich noch wenig mit dem von Windows 95 zu tun, es ist mehr so eine Art Programm-Manager, den man nicht minimieren kann. Statt der Taskleiste ist an der Stelle standardmäßig ein Ordner! Mehr dazu bei Build 73g (vor allem zum Startmenü).

Der "Explorer" heißt Sinnloserweise "File Cabinet", obwohl bei dem Info Button schon Chicago steht. Die Funktion ist aber im Prinzip dieselbe wie sie in Windows 95 dann später eingebaut worden ist.

Unter der Rubrik "Beta-Programme-die-nie-wieder-auftauchten" ist ein Programm der Kategorie "Zubehör" zu nennen: Die Musicbox. Es ist eine einfache CD-Wiedergabe, da Chicago von sich aus keine CD-Laufwerke automatisch erkennt, musste ich es unter Windows 95 testen.

Wenn man Chicago beendet kommt nicht ein Endbild, sondern nur ein Hinweis, dass man den Computer jetzt ausschalten könne. Windows NT lässt grüßen. Wobei der Hinweis warnt, dass man kein Festplattenzugriff mehr registriert sollte, bevor man es wirklich machen soll.

Diese uralte Version von Chicago stammt aus einer Zeit als Windows 95 noch Windows 4.0 werden sollte. Wir schreiben den November 1993. Zur Installation reicht dabei keine einfache Windows 95 Startdiskette, da eine funktionierende Speicherverwaltung durch Himem.sys benötigt wird. Meine Wahl fiel auf DOS 5, um es voraus zu nehmen; DOS verschwindet nach der Installation spurlos und wird durch die Dateien im Command-Verzeichnis von Chicago ersetzt. Spätere Chicago Versionen funktionieren da problemloser.
Nach der Installation, in der man fast nichts einstellen kann, startet Chicago nach einen Neustart, übrigens mit den alten Klängen von Windows 3.1, denn Brian Eno hat noch nicht begonnen den Windows 95 Startsound zu komponieren.

Wer Windows 95 mit seiner Oberfläche kennt, dem kommt der Desktop auf den ersten Blick bekannt vor, auf den ersten Blick...

Klickt man aber mal auf das, was man als Startmenü kennt, kommt einen was komisch vor, insbesondere dann, wenn man feststellt, dass es drei Stück davon gibt.

Es gibt im Startmenü schlicht keine Programme, im ersten Menü ist eher das untergebracht was man bei Windows 3.1 im "Datei-Menü" vom Programm-Manager findet. Im Zweiten Menü gibt es Eine "Suchen-Funktion", eine Art "Eigene Dateien" und zuletzt verwandte "Dokumente" Ordner, und noch eine Art "Task-Manager. Das dritte Menü ist für Hilfen und Tipps reserviert.
Man könnte sich jetzt fragen wo die Programme sind und wer Windows 3.1 kennt vermutet dann auch gleich richtig wo diese sind. Die Programme sind als Verknüpfungen auf den Desktop gelagert, der Programm-Manager lässt grüßen.

Im Zubehör findet man neben den alten bekannten Windows 3.1 Programmen auch, selbige nur in einer 32 Bit Version und noch einige zusätzliche. So gibt es WinPad, Write und WritePad. WritePad hat dann das Rennen gemacht.

WinPad ist ein wenig sowas wie eine Zubehörsammlung, es besitzt also weitere Funktionen wie ein Kalender, eine Adresssammlung und ein Editor. Bei all diesen Programmen sollte man beachten, dass sie die Fensterleisten von Windows 3.1 haben. Links "Schließen" Rechts "Minimieren & Maximieren"

Eins der wohl am häufigsten genutzten Programme, war wohl der Bug-Report. Die Chicago Alpha ist nämlich nicht sehr stabil. Interessant ist, das man bei seinen System urige Systeme zur Auswahl hat: 286er und 1 MB Speicher. Mit den Rechnern hätte ich auch Probleme...

Eins der wichtigsten Programme ist der allgegenwärtige "Explorer" er ist gegenüber "WinFile" deutlich flexibler.

So ist der Explorer ist in seiner Standardeinstellung ein einfaches Fenster, das den Ordnerinhalt einer Ebene anzeigt, öffnet man eine neue Ebene, gibt's ein neues Fenster. Man kann aber auch die "Explorer-View" aktivieren, damit wird der Explorer zu einem echten Dateimanager.

Auch schon der Aktenkoffer war mit einen anderen Symbol mit von der Partie, die Funktion ist dabei von Anfang an die selbe; Er soll die eigene Dokumente aktuell halten, praktisch bei Dateien, die man auf Diskette hat.

Auch der Papierkorb ist dabei, nur hat er noch kein "Voll" Symbol. In dieser Chicago Alpha sind auch mehrere Varianten der Task (also der laufenden Programme) Verwaltung eingebaut. Zum einen über der Bodenleiste,

dann noch mal in einer Taskübersicht,

und in der Bodenleiste, die wir später als Taskleiste kennen lernen dürfen. In dieser Alpha muss diese Taskleiste keine Taskleiste sein, man kann diese Fläche auf der Bodenleiste auch zu einen Ordner umwandeln, in den man ganz nach belieben Verknüpfungen oder Programme ablegen kann.

Und wenn wir schon bei Verknüpfungen und Kopieren sind. Drag&Drop funktioniert noch nicht richtig. Wenn man zum Beispiel eine Verknüpfung erstellen will, gibt es keine Tastenkombination oder einen Assistenten, nein man muss die zu verknüpfende Datei markieren, im Kontextmenü "Link" aktivieren und am Ziel wieder über ein Kontextmenü den "Link" setzen.

Und jetzt geht es mal in die Systemsteuerung, auch sie erinnert wieder stark an das Windows 3.1 Gegenstück.

Neu ist vor allem das Systemmenü, es ist aber nicht das mächtige Hardwaresteuerung die man aus Windows 9x/Me/2000/XP kennt. Hier gibt es die Windows Infos und man kann daneben noch den "Virtuellen Speicher", also die Auslagerungsdatei, steuern.

Die mächtigen Einstellungen für die Hardware findet man unter der "lustigen" Bohrmaschine im "Advanced System" Menü.

"Desktop" führt zu einen aktualisierten Menü das später Anzeige genannt wird. Dies ist auch ein besserer Name, da hier alle Bildschirmeinstellungen getroffen werden und nicht wie in Windows 3.1 nur die optischen Spielereien vom Desktop und der Bildschirmschoner.

Der Menüpunkt "Drive" also Laufwerk findet sich hier noch im Systemmenü, bei Windows 95 findet man diese Angaben direkt im Kontextmenü des jeweiligen Laufwerks im Explorer.

Und wenn es keinen Spaß mehr macht auf den nächsten Absturz zu warten, kann man Chicago Build 78g auch regulär beenden. Es gibt zwar keinen DOS Modus zur Auswahl, aber man kann trotzdem in ihn (anders als in ME). Man muss beim Starten nur [F8] drücken, und dabei das Starten der Command Befehle verweigern.

Falls Chicago 73g sehr instabil ist sollte man schauen ob folgende Einträge in der Config.sys (zu finden im Stammverzeichnis, versteckt) vorhanden sind:
FILES=90
BUFFERS=50
