Betriebssystemversionen im Handel

Windows gibt es in vielen verschiedenen Versionen, damit sind nicht die steigenden Versionsnummern und Editionen gemeint, sondern die Möglichkeit die Software zu erwerben. Um dies zu tun hat man mehrere grundsätzliche Variationsmöglichkeiten. Wie immer spielt der Preis dabei eine Hauptrolle. In laufe der Jahre sind viele Regeln und Ausnahmen verschlissen worden, so dass dies nur eine Übersicht darstellt.

Die normale Version im Einzelhandel

In den Geschäften dieser Welt findet man die Versionen für den Einzelhandel. Microsoft nannte sie Einst SKUs (Stock Keeping Units). In der Umgangssprache werden sie auch Retail-Versionen (nach retail - wiederverkauf) genannt. Sie zeichnen sich primär durch einen inkludierten Telefonsupport seitens Microsoft aus und einer bunten Verpackung. Nicht alles was im Geschäft zu kaufen ist, ist aber eine Retail-Version, siehe Systembuilder. Die Version im Laden lässt sich problemlos wiederverkaufen. Seit Windows 7 enthalten alle Retailpakete die Datenträger von 32- und 64-Bit Varianten einer Edition. Die Retail-Version kann in folgenden Varianten auftauchen:

Galerie Vollversion

Die Vollversion (FPP - Full Packaged Product)

"Für PCs ohne Windows" stand früher auf den Packungen. Die Vollversion ist die teuerste Variante von Windows und setzt keinen weiteren Voraussetzungen an den Kunden. Bis Windows 3.0 war sie Standard, aber schon ab Windows 95 nur noch eine Sparte, denn Microsoft hatte sich für treue Kunden eine günstigere Alternative erdacht. Mit Windows 8 hat sich Microsoft entschieden diese Version komplett einzustellen.

Galerie Update

Das normale Update (VUP - Version Upgrade)

Das Update, bzw. Upgrade, erlaubt einem der Erwerb einer vergünstigten Windows Version. Damit einher kommen allerdings ein paar Vorraussetzungen. So wird der Besitz einer älteren Windows Version vorausgesetzt, dies kann von Updategeneration zu Updategeneration variieren wie alt diese sein darf oder welcher Art. So setzt das Windows 8 Update eine Windows XP, Windows Vista oder Windows 7 Lizenz voraus. Allerdings erlaubt in diesen Fall nur Windows 7 eine Aktualisierung der Softwareinstallation. Die anderen beiden berechtigen zwar zum Kauf, erfordern aber letztendlich eine weitgehende Neuinstallation.

Updates gibt es seit Windows 3.1, viele überprüfen auch nur das Vorhandensein von Installationsdatenträgern zur Berechtigungsprüfung (grundsätzlich Windows 95-XP), einige Ausnahmen (Verbilligtes Update von Windows 98 auf Windows 98 SE) und mit Windows Vista beginnend setzen eine installierte Altversion voraus (bei letzteren gibt es aber Tricks diesen Umweg zu umgehen. Rein rechtlich muss man seine alte Lizenz behalten und darf sie auch nicht parallel auf einem anderen PC verwenden. MS-DOS wurde von Microsoft über den Handel nur als Update verkauft.

Galerie Spezielle Updates

Das spezielle Update

Unter umständen sind manche Updateversionen an strengere Auflagen gebunden. Es gibt aber auch dieCUP (Competitive Upgrade). Diese Version ist sehr selten, das Crossupdate erlaubt den Wechsel auf Windows von einem anderen Produkt aus. Es kann sich dabei um eine Anwendersoftware oder um ein anderes Betriebssystem handeln

Galerie Bundles

Die Bundles

Über die Jahre gab es einige Windowsversionen, welche mit Hardware gebündelt wurden. In den Fällen wo Microsoft dies tat, handelt es sich um normale SKUs. Die mir bekannten waren zu Zeiten von Windows 3 und kamen mit Netzwerkkarten, Mäusen und Trackballs. Auch ein Modembundle mit Windows 95 wurde schon gesehen.

Die mit dem Computer verkaufte Version (oder auch nicht)

Microsofts erfolg im Bereich Software lag im OEM (Original Equipment Manufacturer) Geschäft. Der Computerhersteller als Erstausrüster bekommt dabei die Möglichkeit die Software verbilligt seinen Computern beizulegen. Allerdings muss er auch den Support für die Installation händeln, Microsoft stellt höchstens kostenpflichtige Dienste für den Kunden in Aussicht.
Das OEM Geschäft von Microsoft begann schon vor MS-DOS 1.0 und dem IBM PC.

Einige Windows Versionen wurden nur über diesen Weg bereitgestellt, wie Windows 3.0 mit Multimedia Extensions oder Windows XP für Tabletcomputer. OEM Versionen lassen sich nach diversen Gerichtsurteilen im Prinzip (weiter-)verkaufen. Sie müssen allerdings vollständig sein (In der Regel Dokumentation, Datenträger und Installationsschlüssel). Ein kombinieren ist dabei nicht erlaubt (von einem Dell PC den Key ablösen, ein Fujitsu Handbuch und eine CD von IBM). Eigentlich war die OEM Version nicht für einen Wiederverkauf vorgesehen, Microsofts Geschäftsmodell wurde allerdings im Jahr 2000 vom Bundesgerichtshof (Urteil vom 06.07.2000 I ZR 244/97) kassiert.

Galerie OEM

Die normale OEM Version

Die historische OEM Version unterschied sich in der Regel durch das fehlen einer Supportnummer von Microsoft und die mangelnde Fähigkeit eine bestehende Windows Version zu aktualisieren. Bei MS-DOS und den frühen Windows Versionen war es üblich das der Hersteller des Computers nach gut dünken die Datenträger und Dokumentation herstellte und vor allem im Aussehen bestimmte. Anfang der 1990er wurde dies Verfahren von Microsoft aufgrund diverser unregelmäßig abrechnender Unternehmen verändert. Fortan durften die Unternehmen nur noch bei autorisierten Kopierwerken bestellen, die auch dafür sorgten, dass die Datenträger und Dokumentationen einheitlich wurden.

Ebenfalls wurde 1993 das COA (Certificate of Authencity) eingeführt. Zu den Anfangszeiten handelte es sich um ein Loseblatt mit Hologrammaufkleber, mit Windows 95 wurde es mit dem Handbuch kombiniert indem man es erst auf das Cover und später als Cover verwendete.

1999 erschienen erstmals COA Aufkleber, diese enthielten den Produktschlüssel und wurden auf das Gerät selbst aufgeklebt. Mit Windows 8 wurden diese Aufkleber ersatzlos gestrichen. Die normale OEM Version ist weitestgehend seit dem Jahrtausendwechsel aus dem Markt genommen worden.

COA Aufkleber - Bild 1/13
Windows 95 (späte Windows 95 Version aus dem Jahr 2000)

Galerie Recovery

Die Recovery Version

Anstatt einer sauberen und vollständigen OEM Version sind die Firmen in der Windows ME Ära dazu übergegangen sogenannte Recovery Versionen ihren Rechnern beizulegen. Dabei handelt es sich um einen Strauß an Varianten der Softwarewiederherstellung. In der Regel handelt es sich um an den Computer angepasste Installationsdatenträger oder reine Sicherungsdatenträger, die ein Installieren auf anderen PCs erschweren oder verhindern. Viele Firmen sind auch dazu übergegangen Bereiche der Festplatte zu nutzen, statt Datenträger beizulegen. Auch eine Dokumentation liegt meist nur Elektronisch bei.

Mit Windows 8 wird der Installationsschlüssel in einem speziellen BIOS Bereich abgelegt. All diese Maßnahmen führen dazu, dass diese Versionen schlecht bis unmöglich wiederverkäuflich sind und Hardwareschäden, insbesondere außerhalb von Gewährleistungszeiten, zum eventuellen Verlust der Lizenz führen können.

Galerie Systembuilder

Die Systembuilder Version

Nachdem das BGH Urteil im Jahr 2000 den Verkauf von OEM Software über den Handel an Endkunden erlaubte wurde diese Version populär. Diese OEM Version wird von Microsoft an kleinere PC-Hersteller abgegeben, die kein eigenes OEM-Programm fahren. Sie ist teurer, enthält aber keine speziellen Anpassungen und lässt sich so auf jeden beliebigen PC installieren und ist frei von Zugaben von Drittherstellern (Crapware) an denen sich große OEM Hersteller einiges an Zusatzeinkommen generieren.

Umgangssprachlich wird diese Version auch gerne Vollversion genannt, ihr fehlen aber die aufwendigere Verpackung und der kostenlose Support via Telefonhotline bei Microsoft. Bis Windows 8 lagen den Packungen die Installationsschlüssel als COA Aufkleber für den PC bei, ab Windows 8 nun als kleine Pappkarte. Mit Windows 8 wird Microsoft die Systembuilder nun weltweit für den Endkundenhandel freigeben und dadurch auch die normale Vollversion ersetzen.

Andere Formen der Distribution

Galerie Lizenzprogramme

Volumenlizenzen und andere Lizenzprogramme

Man kann auch bei Microsoft direkt Verträge über Lizenzpakete abschließen. Diese Lizenzpakete sind aber seltener der Erwerb von Lizenzen, häufiger wird über einen Software Assurance Vertrag nur eine zeitliche Nutzung vereinbart. Letztere Verträge sind nicht veräußerbar, erlauben aber den Einsatz einiger spezieller Windows Editionen, wie der Enterprise Edition. Auch in Sachen Softwareaktivierung werden andere Wege gegangen, gab es bei Windows XP die bei Raubkopierer beliebte Volumen-CD ohne Aktivierung, so werden heute in der Regel lokal eingesetzte Aktivierungsserver eingesetzt.
Von einer weiteren Lizenzvariante können auch viele Studenten und Schüler profitieren. Nimmt die (Hoch-)schule am Dreamspark (früher MSDNAA) sind diese je nach Fachrichtung dazu berechtigt kostenlose Lizenzen zu erwerben. Diese können in der Regel privat auch im Anschluss weitergenutzt werden.

Galerie NFR & SSL

Versionen mit eingeschränktem Veräußerungsrecht

Microsoft gibt zur Schulung und an Journalisten Lizenzen heraus, die mit einem NFR (Not for Resale) vermerkt gekennzeichnet sind. Diese Form ist in der Regel auch nicht problemlos verkäuflich, es gab aber Gerichtsurteile im Bereich der Promo-Musik-CDs die eine solche Einschränkung anzweifeln.

Ein anderer Fall sind die früher häufig vertriebenen SSL (Schüler, Studenten, Lehrer) Versionen. Zum Kauf musste man eine Berechtigung nachweisen. Auch für Schulbetriebe gibt es die Möglichkeiten stark verbilligte Lizenzpakete zu erwerben.

Galerie Betaversionen

Evaluierungsversion und Betaversionen

Evaluierungsversionen sind Testversionen von Windows oder von einer Vorversion der selbigen. Diese sind meist in der Laufzeit beschränkt, das heißt sie können und nur einen Gewissen Zeitraum, beispielsweise 180 Tage, genutzt werden. Häufig besitzen Sie auch ein Verfallsdatum, das heißt nach einem gewissen Datum lassen sie sich generell nicht mehr starten und erst recht nicht aktivieren. Betaversionen wurden spärlich als Testversionen zum Kauf angeboten, populär war es aber zu Zeiten von Vista diese Versionen mit schlechten Büchern zu bündeln. Die meisten Betaversionen wurden auch nur als Download an die Tester verteilt, welche als Bedingung zur Teilnahmen zur Verschwiegenheit verpflichtet werden.

Downloadversionen

Mit Windows 8 wurde spätestens die Möglichkeit des Onlineerwerbs der Lizenz und gleichzeitigem Download der Installationsdateien populär. Diese Versionen verhalten sich wie normale Retailversionen, physikalische Datenträger sind aber höchstens per Aufpreis erhältlich, der Key kommt per Email. Rein rechtlich wurden vom EuGH (Rechtssache C-128/11) virtuelle Waren den Offline Produkten gleichgestellt. Das heißt ein Wiederverkauf ist grundsätzlich möglich, wenn man einen Käufer für eine mit einem Key bekritzelte DVD-R begeistern könnte.

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