Zur Microsoft Hausmesse „Build“ wurde erstmals ein Blick auf das neue Windows - jetzt ohne Anführungszeichen – 8 gewährt. Inklusive Preview Version für x86 und x64 für alle zum Download. Und das sind die ersten Eindrücke dazu - Hinweis: Die erste echte Beta wird vermutlich Ende Februar 2012 von Microsoft vorgestellt.
Kurz zuvor wurde das neue Logo für Windows 8 vorgestellt.

Die Überraschung kommt spätestens nach dem Einloggen. Man landet nicht wie gewohnt auf einen Windows Desktop sondern im Metro Startscreen. Der Startscreen ist auch die Hauptoberfläche und ersetzt das Startmenükonzept komplett. Microsoft will durch Telemetriedaten herausgefunden haben, dass ein Großteil der Kunden das Startmenü sehr selten benutzt.
Die Oberfläche ist der des Windows Phone 7 nachempfunden und ist primär für Touchbedienung ausgelegt. Hier kommt auch schon mein erster Kritikpunkt, mit der Maus – wohl noch immer die vorherrschende Eingabeform an PC und Laptop – ist es eher ein seltsames Gestenverhalten und Geklicke. Auch scrollt sich es durch die Liste etwas behäbig.
In der Metrooberfläche finden sich viele verschiedene Objekte. Zum einen Schnellinformationen, welche direkt von Apps geliefert werden. Dann statische Appverknüpfungen, Programmverknüpfungen und Webseiten welche angepinnt wurden. Wie aus dem Startmenü von Windows 7 gewohnt kann man auch per Tastatur nach einem Objekt suchen. Ein weiterer besonderer Menüpunkt ist der Desktop (Ob dieser bei ARM Geräten vorhanden sein wird ist unklar).
Insgesamt ist die Liste sehr lang. Schon kurz nach der Preview Entwicklung wurde angekündigt, dass man zukünfitg eine neue Ansicht einführen möchte, in der alle Verknüpfungen kategoriesiert werden. Alle Adobe oder MS Office Programme unter einer Überschrift usw. Allerdings macht auch diese Lösung den selben überfüllten Eindruck.
Unter dieser Oberfläche sind wie gesagt die Apps heimisch. Apps sind im Vollbild laufende Anwendungen, welche bei Auflösungen von mindestens 1366x768 maximal eine zweite neben sich dulden.
App-Entwickler können auf eine neue API namens WINRT zugreifen, per .NET Sprache (C#, Visual Basic, C++) oder HTML5 (Javascript) können so plattformunabhängige Programme (C++ muss allerdings für jede Plattform neu kompiliert werden) entstehen. Vertrieben werden diese später über einen eigenen Appstore von Microsoft, welcher in der Preview noch nicht eingebaut ist. Da Apps neuartige Programme sind, musste die Umgebung für klassische Anwendungen natürlich erhalten bleiben. Allerdings ist der Desktop wie gesagt nicht mehr primäre Anlaufstelle. Und hier kommt der nächste Kritikpunkt: An einem Arbeitsrechner mit vor allem bisherigen Programmen wird er es aber sein. Da das Startmenü fehlt, muss man erst seine Programme in die Superbar anpinnen oder Desktopverknüpfungen anlegen.
Allerdings lässt sich das Startmenü per Registrierungseditor
wiederbeleben: HKEY_CURRENT_ USER\Software\Microsoft\
Windows\CurrentVersion\Explorer muss man den Wert
RPEnabled von 1 auf 0 setzen.
Allerdings verliert man dadurch die gesamte Metro-Oberfläche.
Der AppStore wird für Metro-Apps obligatorisch sein, dass heißt es ist keine andere Verteilung der Anwendungen für Konsumenten vorgesehen. Man schafft sich also ein geschlossenes Ökosystem wie Apple auf seinen Tablets. Anfang Dezember 2011 wurden weitere Details zum AppStore bekannt, die sich an Entwickler richten und sich an Apples Vorbild annähern. So gibt es einen variablen Umsatzanteil von 70-80 %, je nach Umsatzhöhe. Apps können kostenlos oder ab 1,49 $ angeboten werden. Eingeschränkte Testversionen (Laufzeit/Umfang) sollen einfach realisierbar sein. Anders als bei Apple können für innerhalb von Apps getätigte Einkäufe über einen anderen Zahlungsanbieter genutzt werden, und auch andere Werbeanbieter können genutzt werden. Auch soll der Zulassungsprozess transparenter gestaltet werden. Eigenentwickler müssen eine Jahresgebühr von 49 $ und Unternehmen von 99 $ entrichten.
In der Preview werden zahlreiche Demoprogramme mitgeliefert, von Facebook, über Spiele bis hin Newsprogrammen
Die Dateiverwaltung ist außerhalb der neuen Apps klassisch geblieben, der Explorer wurde sogar aufgerüstet: Eine Ribbon Symbolleiste ist nun auch hier zu finden. Gerade für Anfänger eine sicherlich große Hilfe. Überarbeitet wurde auch der Kopierdialog, auf Wunsch stellt er grafisch Kopieraktionen da. Auf dem lokalen Rechner bewirkt ein Druck auf die Entfernentaste der Tastatur, dass Dateien ohne Nachfrage gelöscht werden.
Soweit zu sehen hat sich nicht viel zu Windows 7 an den eigentlichen Kernkomponenten getan, allerdings besitzt der Taskmanager jetzt auch ein Metro Design und liefert deutlich bunter Informationen. Der Windows Defender ist ausgewechselt, er entspricht jetzt augenscheinlich dem bisher kostenlosen Virenscanner Microsoft Security Essentials.
Windows 8 soll stark auf höhere Startgeschwindigkeit ausgelegt werden. Dazu wird ein neuer Ruhezustand eingeführt. Normalerweise speichert der Ruhezustand den gesammten Arbeitsspeicherinhalt auf der Festplatte und lädt ihn beim nächsten Start wieder, der Benutzer kann an der Stelle weitermachen, wo er aufhörte. Diese Funktion hatte allerdings einige Nachteile. Zum einen passierte es gerne mal das Anwendungen nach quasi wochenlanger Tätigkeit einfach nicht mehr sauber liefen, zum anderen dauerte dass Einspielen des Speicherabbildes mit Rechnern mit immer größeren Arbeitsspeichern immer länger, dabei kann unter umständen das wiedereinspielen des Speichers ähnlich lange dauern wie ein kompletter Neustart.
Der neue Ansatz ist jetzt nur einen Teil des Systems in eine Ruhezustandsdatei auszulagern, und zwar einen Teil der Hardwareinitialisierung. Da sich beim durchschnittlichen PC Start die Hardware nicht ändert, aber normalerweise immer darauf geprüft wird, findet hier eine Zeitersparnis statt.
So müssen vor allem nur Benutzerdaten geladen werden und der Bootvorgang ist in deutlich kürzerer Zeit erledigt. Allerdings ist der Zeitgewinn beschränkt, je nach Autostartanzahl können gerade die Benutzerdaten einen sehr viel mehr Zeit in Anspruch nehmen, auch Zeiten für die Initialisierung von BIOS/EFI und Festplattencontrollern kann nicht eingespart werden. Erste Messungen sprechen von bis zu einem Drittel schnelleren Start, effektiv aber nur einige Sekunden.
Ansonsten ist beim Starten ein unspektakulärer Startbildschirm mit kleiner Kugelanimation zu sehen. Später soll man an dieser Stelle auch mit der Windows Taste einen Werkseinstellungsmodus aufrufen können. Dieser erlaubt Windows auf einen definierten Zustand nach der Installation zurückzubringen, wahlweise mit oder ohne Benutzerdaten.
Wenn der Computer gestartet oder gesperrt ist, sieht man ein gewähltes Hintergrundbild und die aktuelle Uhrzeit und Datum. Das Einloggen selbst kommt erst zum Vorschein, wenn man das Bild nach oben zieht. Zum Einloggen hat man die Wahl über seine Live-ID, mit einer PIN oder eine Gestenabfolge, welche auf einem selbstgewähltem Bild basiert. Auf diesem Bildschirm ist auch der einzige Dialog zum Herunterfahren des Rechners. Ansonsten muss man per Schalter/Laptopdeckel abschalten.
Das Setup ist sehr einfach und sehr schnell. Das Endprodukt soll in wenigen Minuten durchlaufen. Auf meinen älteren Rechner mit AMD 64 Prozessor war es allerdings auch schon nach 20 Minuten fertig und bot ein Login an. Das Setup ist zunächst wie bei Windows 7. Man richtet die Festplatte ein, und wählt dann schon die Installationsart. Am Ende gibt es noch eine Auswahl ob man empfohlene Einstellungen oder eigene zu den Bereichen Windows Update, Fehlerberichte etc. machen möchte. Die Installation belegte etwa 10 GB.
Man kann seinen Computer, bzw. Benutzerkonto auch direkt an ein Windows Live Account binden. Dadurch wird Cloud Computing ermöglicht und man soll später Apps und Daten zwischen verschiedenen Rechnern, Tablets und Telefonen austauschen und synchronisieren können. Auch ein virtuelles Laufwerk in Form eines Skydrives von Hotmail soll später Bestandteil sein.
Später soll es möglich sein Windows 8 auf einen USB Stick als Windows-to-Go zu installieren. Dem Vernehmen nach soll es dieses Feature allerdings nur im Enterpriseumfeld geben, also nur für Firmengroßkunden.
Die Systemvoraussetzungen sollen sich gegenüber Windows 7 nicht verändert haben. Die Installation der Preview Version setzt auch kein UEFI voraus. Aero wird jetzt bei Bedarf auch von der CPU berechnet.
Die Preview Version setzt SSE-fähige CPUs (Pentium 3, Athlon XP) und Boards mit etwas neueren BIOS Versionen voraus. Im Windows Quäler Projekt liegt der Tiefststand derzeit bei 400 MHz und 96 MB RAM. Im Web existiert ein Bericht über eine virtuelle Maschine mit sogar nur 64 MB.
Was noch nicht zu sehen war:
Nicht zu finden war das Media Center, auch war der Windows Media Player 12.0 scheinbar unverändert.
Die ARM Prozessoren sind keine x86-Prozessoren, sondern eher einfache Spezialprozessoren, die man heute in Unterhaltungselektronik, Telefonen und den gerade umjubelten Tablets (iPad) findet. Es ist nicht der erste Ausflug von Windows auf andere Architekturen, diese Projekte waren allerdings alle Nischenprodukte.
Bestätigt ist auch das Programme für ein ARM Windows, wie auch Treiber, mindestens neu kompiliert werden müssen, je nach Art der Entwicklungsumgebung heißt das vermutlich das einige Programme mehr oder weniger neu geschrieben werden müssten, eine Emulation (wie beim Itanium) wird es wohl nicht geben, das heißt im Klartext das bisherige Windows x86 Programme nicht auf einem ARM Windows laufen werden.
Die Virtualisierung war bisher nur bei Server Versionen enthalten, soll aber jetzt in einigen Windows 8 Editionen inkludiert sein. Allerdings benötigt Hyper-V zwingend Hardwareunterstützung durch den Prozessor, wobei nur neuere Modelle AMD-V bzw. VT-x inklusive SLAT (Second Level Adress Translation) unterstützen: Namentlich Intel Core-i Prozessoren und AMD Phenom II und weitere CPUs mit mindestens 4-Kernen.
Die hohe Hürde kommt nicht von Ungefähr, Hyper-V soll anders als die frühere Variante Virtual PC echten Zugriff auf die Hardware bieten, wie zum Beispiel auf die tatsächlich eingebaute Grafikkarte statt eine emulierte S3 Karte wie zuvor. Damit wären dann auch 3D-Spiele im Prinzip möglich. Die Grenzen liegen bei zeitkritischen Anwendungen mit Latenzen unter 10 Millisekunden.
Windows 8 wird mit einem neuen Dateisystem umgehen können: ReFS. Es basiert auf NTFS und soll vor allem Robuster und flexibler sein. Einsetzten werden es vorerst nur Server 8 Maschinen und hier nur auf bestimmten Partitionstypen. Der Code wird aber in allen Versionen stecken und Windows 8 kann dieses Partitionen auch lesen.
Ein Skandal war zu Longhorn Zeiten: TPM (Trusted Plattform Module). Nun wird die "Verschlüsselung des Rechners" breit auf dem Markt eingeführt. Windows 8 Rechner, welche ein Zertifizierungslogo erlangen wollen und die Funktion "Connected Standby" implementieren wollen - Hierbei geht der Rechner in einen Schlafmodus, behält aber Verbindungen per WLAN/UMTS zum Internet - müssen eine UEFI (BIOS Nachfolger) Erweiterung namens Secure Boot anbieten. Bei ARM Geräten wird dies obligatorisch sein, das heißt auf den Geräten wird kein anderes Betriebssystem ohne weiteres installierbar sein, bei x86 Computern nur falls Connected Standby nicht verfügbar ist. Durch diese Einschränkung über das UEFI werden auch solche x86-Computer keine 32-Bit Betriebssysteme von Microsoft mehr akzeptieren. Begründet wird der Secure Boot durch mögliche Sicherheitsrisiken, da beim Einschalten sonst Schadcode geladen werden könnte. Mindestens bei den ARM Geräten geht man deutlich in Richtung geschlossenes System, wie es bei iOS Geräten von Apple vorgemacht wird.
Natürlich handelt es sich um eine Previewversion, die noch weit weg vom Beta Status ist. Und man will sicher App Entwickler motivieren, und stellt deswegen die Apps weit in den Vordergrund. Man geht sogar soweit und brennt die alten Live Gadget Plattform (Hier fanden sich vor allem die Sidebar Gadgets für Vista/Win 7) schon mal bis auf wenige Ausnahmen ab. Da sich Microsoft im vagen hält, muss man Windows 8 trotzdem am gezeigten bewerten.
Ich habe jetzt nur wenige Stunden mit der Previewversion verbracht, manche Dinge sind einfach sehr nett, wie der Explorer oder der Virenscanner. Aber an vielen Stellen vermisse ich die alte Oberfläche und das Startmenü. Ich habe nicht mal verstanden wie man eine App beenden soll, außer über den Taskmanager, auf Touchgeräten soll eine Geste genügen.
Auf Tablets ist sicher die Oberfläche gelungen, und man wird wohl auch kaum alte Windows Programme auf diesen fahren wollen, da ihre Bedienung eh nicht auf Fingerbedienung ausgelegt ist. Aber auf einen normalen PC ist das ganze einfach ein schlechter Witz. Auch Ergonomisch macht Touch an einem Desktopsystem mit normaler Monitorkomposition keinen Sinn. Die Maus ermöglicht einem relativ große Strecken leicht und mit wenig Bewegung auf dem Monitor zu überbrücken, bei einen großen Touchscreen müsste man erstens relativ ermüdend den Arm heben und dann bei großen Monitoren etliche Dezimeter bewegen. Ich weiß nicht so recht. Dieser Text hat mehr als 2 DinA4 Seiten und ich kann gut blindschreiben, hätte ich das auf einen Tablet machen wollen?Ich soll erst eine bunte Oberfläche starten, mich dort totklicken? Ich sehe es noch nicht, und hoffe auf eine Deaktivierungsfunktion.
Allerdings was bleibt bei der Preview Version übrig, wenn man Metro und Touch streicht? Ein Windows 7 mit neuem Explorer und ein paar gesparten Startsekunden?